Eine riesen Chance für das Freisinger Land

Wer beim Kochen auf frische und qualitätvolle Zutaten achtet, wird mittwochs und samstags gern Gast auf dem Freisinger Wochenmarkt sein. Gelbe Rüben, Rosenkohl und leuchtend roter Paprika, Käse aus Ziegen- und Kuhmilch, frische Eier und Nudeln, saftiges Rindfleisch und rustikales Bauernbrot – das Angebot der Marktbeschicker lässt das Herz jeden Hobbykochs höher schlagen. Am Ende kauft man immer mehr ein, als auf dem Einkaufszettel stand. Doch das ist egal. Der Preis stimmt, den geselligen Ratsch gibt’s obendrein, und: Der Einkauf gibt einem ein gutes Gefühl, weil man weiß, wo viele der Produkte herkommen – aus der Umgebung. Fällt der Marktbesuch aus, was dann? Für viele ist der Gang zum Supermarkt nur die Notlösung, nicht die Alternative. Oder doch eine Alternative? Seit einem halben Jahr sind im REWE in den Schlüterhallen neben den regionalen Produkten, die ohnehin schon im Sortiment waren, auch Freisinger Land-Produkte erhältlich. Gleich am Eingang hinter der Gemüseabteilung ist ein zwei Meter langer Stand aufgebaut. Fruchtaufstriche, verschiedene Honigsorten, Dinkel- und Weizenmehl, Kartoffeln und Apfelsaft – alles ist mit dem bekannten Freisinger Land-Etikett ausgezeichnet.

Möglich gemacht haben das vier Studenten. Miriam Ostermaier, Philipp Bauer, Lisa Straußberger und Olga Schäfer. Alle vier sind im Förderprogramm Junge Akademie der Technischen Universität München. Eigeninitiative ist dort gefragt. Eine der Aufgaben: Ein Projekt auf die Beine stellen, das ein ganzes Jahr dauert. Die Themenwahl ist frei. „Wir wollten unbedingt was mit Lebensmitteln machen“, erzählt Miriam. „Am liebsten etwas, das mit der Region zu tun hat. Was Praktisches, nichts Theoretisches.“ Die regionale Vermarktungsinitiative Freisinger Land und ihr Vorsitzender, Matthias Maino, waren den vier schon bekannt und so hat man sich einfach mal getroffen und Ideen gesponnen. Am Ende definierte die Projektgruppe das Ziel: Freisinger Land-Produkte in Freisings Supermärkten integrieren. Leichter gesagt, als getan …

Miriam und ihre Kollegen klapperten Anfang des Jahres erst mal einige Märkte ab, um zu sehen, welche Regionalprodukte dort schon in den Regalen stehen, und um herauszufinden, ob die Supermarktketten Interesse am Projekt haben. Doch viele ihrer Umfragebögen, die sie an die Leiter der Märkte und an die Zentralen verschickt hatten, blieben unausgefüllt. „Das war ganz schön frustrierend“, erinnert sich Philipp.

Wochen später dann die Überraschung: Karl Seidl, Regionalitätsbeauftragter für REWE München/Süd, war begeistert von der Idee und meldete sich. „Wir sind immer auf der Suche nach lokalen Erzeugern. Das Projekt klang interessant, also wollten wir es unterstützen – keine Frage!“ Nach einem ersten gemeinsamen Treffen vor Ort in den Schlüterhallen, konzipierten die Studenten einen weiteren Fragebogen. Diesmal für die Kunden des Marktes. Über 80 Prozent der Befragten gaben an, mehr Erzeugnisse aus der Umgebung kaufen zu wollen. Vor allem frische Lebensmittel, wie Obst, Gemüse und Eier.

Matthias Maino stellte unterdessen die Idee den Freisinger Land-Produzenten vor und diskutierte mit ihnen das Vorhaben. Welche Erzeuger würden bereit sein, die Verträge, die REWE vorlegt, zu unterschreiben? Die Produzenten haben bestimmte Qualitätszertifikate vorzulegen und hohe Anforderungen zu erfüllen. Beispiel Haltbarkeitsdatum: Ein Produkt, das am 1. Januar hergestellt wird und bis zum 31. Dezember haltbar ist, muss spätestens Ende Februar bei REWE sein, damit dem Kunden noch 80 Prozent der Haltbarkeitsdauer garantiert werden könne. „Zwischendurch waren wir ganz schön demotiviert, weil alles so kompliziert war und sich hinzog. Aber wir wollten unser Ziel unbedingt erreichen. Das hat uns wieder motiviert!“, erzählt Miriam.

Nach weiteren Gesprächen, unter anderem mit Karl Seidl, und Treffen vor Ort, willigten einige Produzenten ein. Auch Nikolaus Widhopf, Kartoffelerzeuger aus Eching: „Mir hat die Idee gleich gut gefallen und so hab ich mich schnell dafür entschieden. REWE ist recht kulant. Da sie keine Mindestmengen vorgeben und man jederzeit selbst wieder aussteigen kann, hält sich das Risiko für mich in Grenzen.“ Im Juni erfolgten die ersten Probelieferungen von Freisinger Land, daraus wurden feste Lieferungen. „Natürlich dauert es eine gewisse Zeit, bis der ganze Prozessablauf rund läuft. Auszeichnung, Positionierung, Etikettierung, usw. Das ist ja alles neu für uns!“, meinte Maino noch im Oktober. Inzwischen sind einige Wochen vergangen und alle Beteiligten zeigen sich sehr zufrieden. „Das ist eine riesen Chance“, sagt Maino. „Es läuft sehr gut! Eigentlich bräuchten wir mehr Produkte und Lieferanten“, erzählt Seidl. Auch Widhopf „ist zufrieden“ und die Studenten berichten stolz: „Das Regal ist oft ausverkauft.“

Die vier TU Studenten haben ihr Ziel erreicht. Nächstes Ziel: Das Projekt auf weitere REWE-Märkte in Freising und Umgebung ausdehnen. Die Vorbereitungen laufen bereits.

Wer gern saisonales Obst und Gemüse und andere Erzeugnisse aus heimischem Anbau kauft, die Fahrt zum Direktvermarkter oder zum Markt zeitlich aber nicht schafft, der hat definitiv eine Alternative.




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