Beleza auf den Spuren von Billie Holiday und Nora Jones
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Ein einfacher Karton, mit Banderole in Brasilien-Farben. Elf Titel, die Namen der Musiker. Recht viel mehr ist es nicht, was das CD-Cover der Band „Beleza“ zu bieten hat. Wohlgemerkt rein optisch. Denn das Debüt der Formation des Klarinettisten und Saxophonisten Uli Wunner sowie der Sängerin Julia Schröter gleicht einem Füllhorn von Einflüssen. Das Freisinger Duo hat mit John Brunton an der Gitarre, Yvo Fischer am Bass und Stephan Treutter am Schlagzeug eine Platte  eingespielt, die einen weiten Bogen spannt. Vom Mississippi an die Copacabana und zurück. Mit Zwischenstation in New York vielleicht, wo Nora Jones zuhause ist –  eine von Schröters bevorzugten Quellen der Inspiration. Dass das gut zusammengeht, das hat die Band mit einem selbst erklärten „Hauch von Brasilikum“ bei diversen gefeierten Live-Auftritten unter Beweis gestellt. Beide, Schröter und Wunner haben ein Faible für Latin-Jazz, für Musik vom Zuckerhut. Beide waren dort und haben sich einnehmen lassen vom Sound eines Antonio Carlos Jobim. von Getz/Gilberto und Konsorten. Das ist dem Erstling anzuhören. Gleich das erste Stück, „Alvorada“ spricht Bände hierfür. Überhaupt, die kristallklare Stimme von Schröter, sie schwebt über einem fein gewebten, flockigen Klangteppich, über Arrangements voller Einfühlungsvermögen für kreolische, wie lateinamerikanische Ingredienzien. Beleza wartet mit handverlesenen Jazz-Standards auf. Wunner und Schröter scheinen sich blind zu verstehen. Im Dialog, im Zusammenspiel mit mit einer kleinen, feinen Rhythmusgruppe. Die Platte wirkt wie am Stück eingespielt, weist Live-Charakter, gleichzeitig aber auch die Raffinesse und Präzision eines ausbalancierten Studio-Albums auf. Beleza sucht und findet einen speziellen Zugang zu den Stücken, selbst zu Heiligtümern wie „What a little moonlight can do“. Mehr Tempo, mehr Temperament – so einfach geht das. Ist es aber nicht! Womit wir beim Thema wären: Zu den Stärken dieses Debüts zählt der Mut zur Interpretation, zur Eigenwilligkeit. Hinzu kommen der Elan und die Rhythmik von Titeln wie „Chega de saudade“. Ein Glanzstück, das nicht zuletzt vom Scat-Gesang Schröters und einem ausgedehnten Gitarrenpart lebt. Überhaupt, das versierte Vokalisieren der Freisinger Jazz-Sängerin fällt auf, neben der Omnipräsenz und der Selbstverständlichkeit, mit der Uli Wunner sein Spiel zu platzieren und zu pflegen weiß. Interessant auch die Nora-Jones-Nummer „Turn me on“, die Beleza im Spannungsfeld zwischen Rock und New-Orleans-Jazz ansiedelt. Ein Spagat, der gelingt. Wie so vieles auf diesem Album. Ein Album das lohnt, damit auf Tour zu gehen.

 

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Mai 2014.
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