Berlin, Berlin, wer fährt jetzt nach Berlin?
Bundestagswahl am 26. September

Wenn man so will, steht die Mannschaft, die am 26. September zur Bundestagswahl antritt, fest: Denn 13 Kandidaten sind es, die um die Stimmen der Wähler für sich und ihre Partei buhlen, im besten Fall nach Berlin fahren dürfen. Der FINK stellt die „Start-Elf“ und die zwei „Ersatzspieler“ vor, die für den Wahlkreis 214 auflaufen: Stürmer, Mittelfeld, Abwehr und Torwart.

 

Der Sturm

Ein Duo vertritt derzeit den Wahlkreis 214. Und beide wollen wieder in den Bundestag „stürmen“:Erich Irlstorfer, der bei den letzten beiden Bundestagswahlen 2013 und 2017 das Direktmandat für die CSU holen konnte und nun eine dritte Amtsperiode anstrebt. Mit 96 Prozent der Stimmen wurde Irlstorfer jetzt abermals zum Direktkandidaten gekürt. Der 51-Jährige, der 2017 mit 43 Prozent der Erststimmen das Direktmandat erhielt, ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und im Unterausschuss Globale Gesundheit. Gesundheit ist also das Arbeitsfeld Irlstorfers, auf dem er sich in den vergangenen Jahren einen Namen in Berlin gemacht hat. Sein Credo: „Ich will Menschen durch Politik helfen. Das galt während meiner gesamten beruflichen und politischen Karriere.“ Der Hattrick Direktmandat ist das erklärte Ziel Irlstorfers und der CSU.Ebenfalls für den Wahlkreis 214 sitzt Johannes Huber von der AfD im Bundestag. Er hat 2017 über die Landesliste der AfD einen Sitz im Bundestag erobert. Huber (34) tritt erneut für die AfD als Direktkandidat an, bei der Nominierungsversammlung haben ihm 95 Prozent der Parteifreunde ihr Vertrauen ausgesprochen. Er ist Mitglied der Kinderkommission und sitzt im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sein Ziel: 25 Prozent für die AfD, um „entweder alleine oder zusammen mit anderen Fraktionen die grundrechtsbeschränkende Lockdown-Politik der Bundesregierung vor einen Untersuchungsausschuss sowie mit einer Normenkontrollklage vor das Bundesverfassungsgericht bringen zu können“. Auf der Landesliste der AfD steht er auf Platz sechs.

 

Das Mittelfeld

Sie sind die, die sozusagen hinter den Stürmern spielen und, wenn möglich, auch mal einen Treffer erzielen, selbst in den Bundestag stürmen oder zumindest ihrer Partei zu einer guten Fraktionsstärke im Bundestag verhelfen wollen. Das Mittelfeld ist breit aufgestellt.Für Bündnis90/Die Grünen geht Leon Eckert ins Rennen. Bei der Aufstellungsversammlung setzte sich der 25-jährige Echinger mit 86 zu 26 Stimmen gegen Martin Heyne durch. Er wolle nach Berlin, um dort die Grenzen zu sprengen, auch um die Gewerbesteuer zu reformieren, das Gesundheitssystem gut „auszufinanzieren“, den Breitbandausbau zu forcieren und den Flächenverbrauch einzuschränken, so Eckert. Dass er, der Dritte Bürgermeister von Eching, aufgrund seines Alters vielleicht nicht ernst genommen werde, diese Angst hat Eckert nicht: „Ich werde gut vorbereitet sein und mich ins Zeug legen. Dann müssen sie mich ernst nehmen.“Die SPD schickt mit Andreas Mehltretter den Freisinger Kreisvorsitzenden ins Rennen: Mehltretter setzte sich gegen seinen Mitbewerber Manuel Hummler aus Pfaffenhofen durch – mit einem knappen Vorsprung von vier Stimmen. Der 29-jährige Stadtrat aus Freising will sich für mehr soziale Gerechtigkeit sowie eine vernünftige, zukunftsgerichtete Finanz- und Investitionspolitik einsetzen. Vor allem will er vehement den Rechtsruck in der Gesellschaft bekämpfen. Auf der Landesliste der Genossen ist Mehltretter auf Platz 15 zu finden.Die Hoffnungsträgerin der FDP heißt Eva-Maria Schmidt. Ihr Begehr ist es, im Wahlkreis 214 möglichst viele Stimmen für die Liberalen zu sammeln, da sie sich als Direktkandidatin wenig Chancen ausrechnet und auf Platz 24 der FDP-Landesliste keine Aussichten auf den Einzug in den Bundestag hat. Aus Hallbergmoos kommt die 50-jährige Kandidatin, die in Norddeutschland geboren ist, als Trainerin sowie Beraterin arbeitet und sich selbst als „Seiteneinsteigerin“ und „absoluten Frischling“ in der Politik bezeichnet.Die Linke hat den Freisinger Kreisvorsitzenden Nicolas-Pano Graßy als Direktkandidaten gewählt. Ziel des Freisinger Stadtrats (31) ist es, die Politik seiner Partei in die Öffentlichkeit zu tragen, gegen Profitgier und für den Frieden einzutreten. Graßy ist Realist: „Es geht nicht darum, den Wahlkreis zu gewinnen“, sagt er, sondern die Politik der Linken in die Öffentlichkeit zu tragen. Bei der Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl landete Graßy auf Platz 18.

 

Die Abwehr

Breit aufgestellt ist auch die Abwehrriege der Wahlkreis-Elf: Sie wollen es am 26. September abwehren, dass ihre Partei wieder nicht im Bundestag vertreten ist:Bei den Freien Wählern (FW) setzt man ganz große Hoffnungen auf den ehemaligen Bürgermeister von Au, Karl Ecker. „Der Mensch im Mittelpunkt“, so lautet das Motto, mit dem der 58-Jährige in den Wahlkampf ziehen will. Er bezeichnet sich selbst als „kompetenten Ansprechpartner und Kümmerer“. Als oberbayerischer Spitzenkandidat der FW landete er bei der Aufstellung der Landesliste der Freien Wähler auf Platz 5. Man hofft, bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken oder in ganz Deutschland drei Direktmandate zu ergattern, was den Einzug der FW in den Reichstag bedeuten würde.Für die ÖDP geht Emilia Kirner ins Rennen. Die 23-Jährige aus Freising sitzt seit 2020 als Fraktionsvorsitzende im Freisinger Stadtrat, für die Jungen Ökologen bekleidet sie das Amt der stellvertretenden Bundesvorsitzenden, ist Mitglied im Landesvorstand der ÖDP Bayern. Ihre Wahlkampf-Schwerpunkte sieht sie in den Themen Mobilität und Verkehr sowie Nachhaltigkeit. Auf der Landesliste der ÖDP ist Kirner fast ganz vorne zu finden: Platz 2.Nicht nur mit einem Direkt-, sondern sogar mit einem (von 299) Kanzlerkandidaten kann die Satirepartei Die Partei aufwarten: Daniel Weigelt heißt der Mann aus Freising, der mit seinen 47 Jahren ein klares Ziel für seine künftige Kanzlerschaft formuliert hat: „Alles muss besser werden. Die AfD muss weg.“Außerdem in der Abwehr – und dabei so versteckt, dass man seine Nominierung gar nicht mitbekommen hat: Florian Geisenfelder, Bäcker, Jahrgang 1991, ist in Mainburg geboren, lebt in Rohr in Niederbayern. So zumindest steht es in der offiziellen Liste des Landratsamtes. Er tritt für die Bayernpartei (BP) an.

 

Im Tor

Auch wenn im Fußball Torhüter wichtig und Leistungsträger sind, bei der Wahlkreis 214-Elf ist das eher so wie bei Mannschaften im Schulsport: Torhüter sind oft die, die nicht so recht mitspielen dürfen:Der 67-jährige Eckhard Reineke aus Schrobenhausen tritt für die neu gegründete Partei Die Basis an. Die Basisdemokratische Partei Deutschland – so der vollständige Titel – war im Sommer 2020 auf Bundesebene aus dem Umfeld der Proteste gegen Schutzmaßnahmen wegen der Covid-19-Pandemie gegründet worden. Reineke will, dass die Mitbestimmung der Bürger auf demokratische Weise erhalten werde.

 

Auf der Ersatzbank

Und dann ist da noch Horst Boljahn, von dessen Nominierung niemand etwas mitbekommen hat, der lediglich per E-Mail mitgeteilt hat, dass er als Direktkandidat im Wahlkreis 214 antritt. Ach ja: Die Partei, für die er Stimmen holen will, heißt VOLT. Volt Deutschland ist eine 2018 gegründete politische Partei.  So steht’s in Wikipedia.Doch er muss nicht allein auf der Ersatzbank Platz nehmen: Auch die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer (V-Partei3) hat – unbemerkt von der Öffentlichkeit – eine Direktkandidatin benannt: Magdalena Lippa heißt die Frau (Jahrgang 1988), geboren in Pyskowice (Polen), wohnhaft in Neufahrn und von Beruf Physikerin. Mehr weiß man nicht. 

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom September 2021.
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