Bildungszentrum Gartenstraße

„Eine Heimat bieten und ein Stück Lebensqualität verwirklichen. Ein Haus mit Blick nach vorne, ein Haus der Zukunft.“ Das waren die offiziellen Worte von Hans Burger, Geschäftsführer der Lebenshilfe Freising, im April 2011, als inmitten der Baustelle der Grundstein für die neue Förderschule gelegt wurde. Seit September 2012 ist das Gebäude fertiggestellt und die ehemalige Fröbelschule zum Bildungszentrum Gartenstraße geworden. Nach zwei Jahren Unterricht in den Containern an der Erdiger Straße konnten Kinder, Lehrer und Erzieher zu Beginn des Schuljahrs in die neuen Räume einziehen. 8.000 Quadratmeter stehen ihnen jetzt zur Verfügung. Neben den bisher bestehenden, heilpädagogisch ausgerichteten Bereichen Kindergarten und Tagesstätte sowie Grund-, Mittel- und Berufsschule sind seit diesem Schuljahr Krippe und Hort mit integrativem Konzept hinzugekommen. Ab nächstem Schuljahr soll das Konzept auch auf die Grundschule ausgeweitet werden. Denn das Ziel des Bildungszentrums ist es, zur Inklusionsschule zu werden. Doch während es für Regelschulen bereits gesetzliche Vorgaben wie Klassengröße und Lehrertandem gibt, schenkt die Regierung der integrativen Öffnung der Förderschulen weniger Beachtung. Und das, obwohl das neue Bildungszentrum inhaltlich voll darauf eingerichtet ist.
2009 ist die UN mit der Behinderten-rechts-Konvention der Forderung nach Einbindung von Menschen mit Behinderung in den Alltag nachgekommen. Aus Integration ist Inklusion geworden, aus Teilhabe, Teilnahme. Die Schaffung von Inklusionsschulen ist eine der Maßnahmen, mit der der Staat den Forderungen der Konvention nachkommt. In Bayern gibt es derzeit 41 zugelassene Inklusionsschulen – Grund-, Haupt-, Mittel- und Volksschulen, die ihren Unterricht entsprechend dem Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen angepasst haben. In Freising hat die Korbinianschule 2011 das Prädikat erhalten.

„Mit dem Bildungszentrum Gartenstraße haben wir etwas Einmaliges geschaffen: Wir sind die erste Schule in Bayern, die von Beginn an als Inklusionsschule konzipiert wurde. Zudem habe ich kein Wissen darüber, dass es eine weitere Schule mit diesem umfassenden Konzept in Bayern gibt“, erläutert Franz Burger stolz. Doch genau hier befindet sich der Widerspruch: Das Rahmenprogramm für die baulichen Planungen des Bildungszentrums wurde komplett von der Regierung vorgegeben und eins zu eins von der Lebenshilfe umgesetzt. „Wir stehen vor dem Problem, dass die aktuelle Regelung besagt, dass alle Schulen außer den Förderschulen Inklusionsschulen werden können.
Das macht es für uns schwierig.“ Mit einem eigenen Themenpapier, das derzeit im Haus erarbeitet wird, möchte Franz Burger die Regierung von Oberbayern zum Handeln auffordern. „In Krippe, Kindergarten und Hort funktioniert das integrative Konzept bereits, hier sind Rahmenbedingungen vorhanden. Wir unterstützen es aber auch, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam in die Grundschule gehen. Der Unterricht an regulären Schulen und an Integrationsschulen kann jedoch nicht miteinander verglichen werden“, beschreibt Burger die derzeitige Situation weiter. „Reduzierte Klassenstärke, Anzahl der Be- treuer, sonderpädagogischer Förderbedarf, etc., dazu muss es Regelungen geben. Mit unserem angegliederten Therapiebereich haben wir sogar die Möglichkeit, behinderte Kinder die gesamte Schullaufbahn zu betreuen. Die Regierung darf jetzt nicht kneifen!“ Darum fordert Franz Burger im Namen der Lebenshilfe Freising eine Gesetzesänderung, damit die Inklusionsschule tatsächlich entstehen kann.
Im Boden vor dem neuen Schuleingang erinnert seit Ende November der Grundstein daran, dass es in diesem Gebäude mit seinen sieben Einrichtungen um Bildung, Gemeinschaft und Lebensqualität geht. Bei der Orientierung helfen bunte Bodenstreifen. Von Gelb über Orange, Rot und Grün reichen die Markierungen in Krippe, Kindergarten, Hort, Grund- und Mittelschule. Blau ist der Bodenstreifen in den Fachräumen und der Berufsschule sowie im Therapiebereich, in dem sich das sanierte Schwimmbad, Turnhalle und Gymnastikraum befinden. Für den Unterricht stehen zusätzlich eine Schulküche, Werk- und Handarbeitsräume zur Verfügung. Neben einem Hartplatz und mehreren Rasenflächen füllen unterschiedlichste Spielgeräte, Klettergerüste und ein riesiger Fuhrpark mit Fahrrädern, Dreirädern und Tretautos den Innenhof. Alles natürlich barrierefrei. Bei der Gestaltung der Räume konnten die eigenen Betreuer und Pädagogen ihre Erfahrungen einfließen lassen. Insgesamt 21 Millionen Euro hat der Bau gekostet, ein Preis, den sich zum größten Teil Staat, Bezirk, Kommune und die Stadt Freising teilen. Die Kosten für die Tagesstätte in Höhe von 5,5 Millionen Euro wird die Lebenshilfe alleine aufbringen durch Rücklagen, Zuwendungen der Aktion Mensch und die Spendenaktion „Tagesstätte“, die es seit Baubeginn gibt.

 




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