Das Labyrinth als Ort der Kontemplation
Zur Ausstellung von Markéta Lübben im Marstall des Landratsamtes

Als Daidalos das wohl erste Labyrinth per se erbaute, sollte dies ein Gefängnis für den Minotaurus sein. Im Mittelalter symbolisierte die Mitte eines Labyrinthes die Kirche und in  den Gartenanlagen des Barock waren sie ein beliebtes Detail, das nicht nur zum Zeitvertreib einlud. Wie auch immer, Labyrinthe sind auf unterschiedlichste Arten Orte der Kontemplation. In Freising lässt sich dies beispielsweise im Walderlebnispfad oder bei den Pallottinern nachfühlen. Mit eben diesen beiden Labyrinthen befasst sich Markéta Lübben, die sich seit schon seit 20 Jahren für diese Thematik interessiert, im Rahmen ihrer ersten Einzelausstellung „Durch das Labyrinth zur Mitte“ im Marstall des Landratsamtes.
Darin beschreibt sie den Weg des Lebens als einen Parcours, der um viele Ecken und Bögen führt, bevor die ersehnte Mitte erreicht ist. Symbolisch für den manchmal schwierigen Lebensweg stehen parallel die ‚Epeaks’, eine besondere Maltechnik der geborenen Pragerin. Dafür setzt sie die Ölfarbe in pastosen Spitzen von unterschiedlicher Höhe auf die Leinwand, so dass diese reliefartig und energiegeladen aus der Ebene herausragen und zugleich die unterschiedlichen Höhen und Tiefen des Lebens versinnbildlichen. Entsprechend energetisch ist das Colorit, das in kraftvoll strahlenden Tönen das gesamte Spektrum der Regenbogenfarben beinhaltet. Jedoch sind dies keine reinen Farben, sondern sorgsam aus verschiedenen Pigmenten ermischte Nuancen, deren Kraft gerade aus der Verbindung der Vielfalt resultiert. Ebenso feinfühlig ist das Grün ermischt, das der sechsblättrigen Kleeblattform im Zentrum seine typische Farbe gibt.
Scheint so, als hätte Lübben den Weg zu sich, zu ihrer Mitte, zu ihrem Glück gefunden. Schon in jungen Jahren streifte sie durch Prag, um Künstlern bei der Arbeit zuzusehen oder mit diesen auf der Karlsbrücke zu zeichnen. Nach dem Abitur erlernte sie erst einmal eine vernünftigen Beruf und studierte Betriebswirtschaftslehre, war im internationalen Banking und in der Softwareindustrie tätig. 1995 kam sie nach Deutschland, 1998 beschloss sie, sich ganz der Malerei zu widmen. Mit autodidaktischer Experimentierlust und im Rahmen von Fortbildungen entwickelte sie ihre Maltechnik. Mit voller Überzeugung hat sie sich der Ölfarbe verschrieben, deren Leuchten ebenso unschlagbar ist wie deren Elastizität und damit deren Geschmeidigkeit in der Verarbeitung. Offensichtlich badet Lübben förmlich in der Farbe und baut mit deren Materialität ihre Kompositionen gerade so wie ein Architekt. Dementsprechend wiegt so ein 100 mal 120 cm großes Gemälde auf eigens für diesen Zweck verstärkten Leinwänden schon mal bis zu zehn Kilo.  Aber für sie sind Farben nun einmal „mächtige Werkzeuge zum Visualisieren ihrer Gedanken“ und die sind offenbar ebenso vielschichtig wie vital. Sie selbst sagt, sie lebe ihr Leben wie ein farbiges Bild, und ihre Bilder reflektieren das farbige Leben.

Neben diesen ursprünglichen Werken sind Übersetzungen ihrer Gedanken und Überzeugungen zu sehen, die sie mit der gleichen Leidenschaft in ihre Sprache, die Malerei transferiert. So dauert es durchaus bis zu 100 Stunden, bevor sie ein Werk als abgeschlossen ansieht. Für sie aber ist das kein Problem, ganz im Gegenteil. Sie genießt es, sich auf diesem Weg in unserer schnelllebigen Zeit mit Geduld und Hingabe zu  entschleunigen und letztlich eben dieses Gefühl dem Betrachter zu übermitteln. Dem Werkprozess folgt natürlich noch der Trocknungsprozess, der mit mindestens einem halben Jahr wiederum Geduld erfordert. So sind dies Gemälde in doppeltem Sinne Sinnbilder für die Kontemplation – in inhaltlicher wie in technischer Hinsicht.

Marstall, Landratsamt, Landshuter Straße 31, Freising
Eröffnung am 17. Oktober 2013 um 19 Uhr
Geöffnet von 18. bis 20. Oktober 2013, von 10 bis 20 Uhr

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Oktober 2013.
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