Das Undenkbare denken

Es ist wahrlich nicht das erste Buch, das Wilfried Scharnagl geschrieben hat. Aber es ist das mit dem vielleicht provokantesten Titel: „Bayern kann es auch allein. Plädoyer für den eigenen Staat“. Gerade ist das 191 Seiten umfassende Werk des Mannes erschienen, der als Alter Ego von Franz Josef Strauß und als ehemaliger Chefredakteur des Bayernkurier die jüngere Geschichte des Freistaats genau kennt. Der 73-Jährige, der in Allershausen lebt, formuliert darin seine Überzeugung, dass Bayern im Bund und in Europa nur draufzahlt, dass es einem eigenen Staat Bayern besser ginge.
Noch besser als jetzt schon.
In zehn Kapiteln wird der Leser von Scharnagl auf seine These und Forderung hingeführt. Zehn Kapitel, aus denen die Verbundenheit Scharnagls zu seiner bayerischen Heimat und sein Glaube an die Kraft und Stärke des Freistaats spricht. Dass es an Bayern auch genug zu kritisieren gebe, das stellt Scharnagl gar nicht in Abrede. Aber Bücher, in denen über Bayern geschimpft werde, gebe es schon genug, sagt er. „Da musste ich nicht auch noch eines schreiben.“ Und so ist Scharnagls Buch eine Eloge auf Bayern, die jedem, der es noch nicht weiß, in einer feinen, manchmal – wenn es Not tut – auch mehr als deutlichen Sprache klarmacht, wo die Vorzüge des Freistaats liegen. Wichtig – und das mag manchen überraschen: Der Intimus von Franz Josef Strauß hält sich auffallend zurück mit der Schilderung dessen, was FJS für den Freistaat geleistet hat. „Es ist meine Sicht der Dinge, mein Urteil.“ Ganz bewusst habe er sich deshalb „jeglicher parteipolitischer Nebenwege“ enthalten, gehe es ihm in seinem Buch doch nicht um Parteien, sondern um ganz Bayern.
Vor einem Jahr hat Scharnagl die Arbeiten begonnen. Der Gedanke, der das Werk trägt, ist in ihm gereift, erzählt Scharnagl. Und irgendwann musste er eben niedergeschrieben werden: „Bayern kann es auch allein.“ Scharnagl ist tief in die bayerische Geschichte eingetaucht: Sein Buch beginnt 1871, das Jahr, in dem Preußen und das Deutsche Reich die Herrschaft über das Königreich Bayern übernehmen. Es ist nach Scharnagls These nur der erste von mehreren historischen Schritten, die dazu geführt haben, was ihn heute so ärgert: Bayern zahlt und blutet finanziell, stöhnt unter der Einmischung Brüssels und unter dem Länderfinanzausgleich. Besonders interessant ist Kapitel 8: „Schottischer Exkurs“ heißt es. Untertitel: „Wie man es machen kann.“ Scharnagl erklärt, wie es die Schotten allmählich schaffen, sich aus dem Vereinigten Königreich zu verabschieden. Ein, wenn man Scharnagls Forderung nach der Eigenständigkeit Bayerns im deutschen und europäischen Verbund teilt, politisches Lehrstück. Dass es in Katalonien und Flandern ähnliche Tendenzen gibt, führt Scharnagl auch vor Augen. Denn ihm ist klar: „Landkarten sind nicht für die Ewigkeit geschrieben.“ Auf den Seiten 173 bis 186 findet sich dann die „Konsequenz“ dessen, was der 73-Jährige CSU-Mann, der sich selbst als „alten konservativen Knochen“ bezeichnet, auf all den Seiten davor mit großem Kenntnisreichtum und politischem Hintergrundwissen ausgeführt hat: „Angeblich Undenkbares darf oder muss gedacht werden“, ist sich Scharnagl sicher. Und so steht er da, der letzte Satz. Unverrückbar, unumstößlich: „Bayern kann es auch allein.“

Zur Person
Wilfried Scharnagl, deutscher Journalist und CSU-Politiker, wurde 1938 geboren. Er studierte Geschichte in München und Frankfurt, und war anschließend Redakteur beim „Freisinger Tagesblatt“. Seit 1964 arbeitete er in der CSU-Landesleitung und beim Bayernkurier, dessen Chefredakteur er von 1977 bis 2001 war. Scharnagl war ein langjähriger Weggefährte von Franz Josef Strauß. Die Beziehung galt als äußerst innig. Franz Josef Strauß soll über Scharnagl gesagt haben: Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was Scharnagl schreibt. Heute nimmt er nach wie vor an Sitzungen der oberen Parteigremien teil und ist Vorstandsmitglied der Hanns-Seidel-Stiftung.

Das Buch
Wilfried Scharnagl: Bayern kann es auch allein. Plädoyer für den eigenen Staat. Quadriga Verlag, Berlin. 2012. 191 Seiten. 16,99 Euro. ISBN 978-3-86995-048-8.

Buchvorstellung
Am Donnerstag, den 27.9.2012 stellt Willfried Scharnagl sein Buch „Bayern kann es auch allein“ im Furtner in Freising vor. Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, Anmeldung gegenüber bei Pustet erbeten.




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