Ein Comic auf der Bühne
Das Kreative Schauspiel Ensemble e.V. inszeniert Ben Eltons „Popcorn“

„Diesmal wird es derb. Es wird gewagt. Es wird durchaus provozieren, aber das muss es auch.“ Philipp Schreyer, Regisseur und 1. Vorsitzender des Kreativen Schauspiel Ensembles e.V., erzählt von der aktuellen Produktion der jungen Freisinger Theatergruppe.  „Popcorn“, eine Mediensatire des Britischen Bühnenautors Ben Elton, ist das inzwischen sechste Stück, welches vom „KSE“ aufgeführt wird. Der junge Verein, bestehend aus Studenten, Auszubildenden und Schülern, inszenierte bisher diverse Genres auf verschiedenen Freisinger Bühnen. Den Anfang machte im Sommer 2010 das Zwei-Personen-Drama „norway.today“ von Igor Bauersima. Schreyer erinnert sich: „Ich fand es spannend, einmal mit wenigen Leuten zu arbeiten. Außerdem war es etwas Modernes.“ Der heute 23-jährige Student hatte stets ein Faible für zeitgenössische Stücke. Trotzdem stehe für die Gruppe stets Abwechslungsreichtum im Vordergrund, betont Philipp Metzner, Mitbegründer des KSE. „Von der Inszenierung her, kann man kein Stück mit dem vorhergehenden vergleichen.“ Metzner, von Beginn an Darsteller des Ensembles, fungiert seit der Eintragung des Vereins im März diesen Jahres zusätzlich als Kassenwart der heute zehnköpfigen Theatergruppe. Mit der Gründung des Vereins erhoffen sich die Jung-Schauspieler eine bessere Vernetzung mit andern Gruppen, Veranstaltern und der Stadt Freising. Außerdem sollen Privatpersonen und Unternehmen ermutigt werden, die junge Truppe zu unterstützen, erklärt der Kassier. Die Aufführungen finanzierten sich „schließlich nicht von selbst“, laute doch der Grundsatz des gemeinnützigen Vereins: Modernes Theater bei freiem Eintritt. „Wir versuchen natürlich, alle Leute anzusprechen, aber trotzdem“, so verdeutlicht es der Vorsitzende, sei es ein Anliegen „gezielt auch junge Leute“ für Theater zu begeis-tern. Und gerade die würden häufig durch hohe Eintrittspreise abgeschreckt. „Wir wollen, dass jeder die Möglichkeit hat, sich das anzusehen.“ Und so organisiert sich die Gruppe auf Spendenbasis und kooperiert eng mit verschiedenen Freisinger Institutionen. Etwa mit dem Szenekulturforum e.V., in dessen Räumen in der ehemaligen General-von-Stein-Kaserne in der Anfangszeit der Gruppe geprobt und aufgeführt wurde. „Die Zusammenarbeit war absolut unkompliziert und hat vieles erleichtert. Der Aufbau der Gruppe“, resümiert Schreyer, „hätte ohne die Unterstützung vom SKF nicht funktioniert.“  Nach dem ersten Erfolg mit „norway.noday“ folgte noch im gleichen Jahr „tattoo“ vom selbigen Autor. Eine Satire auf die Kunstszene, für welche das Ensemble den Ort der Aufführung von der Bühne über den gesamten Eingangsbereich und Flur des Kasernengebäudes, dessen Abriss zum damaligen Zeitpunkt kurz bevor stand, ausdehnte. „Wir haben den kompletten Gang bemalt und gestaltet. Der Hintergedanke war, die Zuschauer zunächst in diese Umgebung zu führen – mit Kunst, die sie vielleicht auf Anhieb nicht verstehen. Aber zusammen mit dem Stück ergibt sich dann ein Gesamtkunstwerk.“ Überhaupt stehe für das KSE stets im Vordergrund „die Zuschauer anzuregen“, erklärt Schreyer. „Es ist keine reine Unterhaltung. Das Publikum soll herausgehen, darüber nachdenken und diskutieren.“ Auch bei der aktuellen Produktion könnte das dem Ensemble durchaus gelingen. „Das Thema ist sehr aktuell“, schildert Philipp Metzner den Kerngehalt des Stückes. „Es geht um Gewalt. Gewalt in den Medien und die Auswirkungen auf die Gesellschaft.“ Das unter anderem mit dem Molière, dem nationalen Theaterpreis Frankreichs, ausgezeichnete Bühnenstück erzählt die Geschichte des der Amerikanischen Unterschicht entstammenden Gangsterpärchens Wayne und Scout, die als „Mall-Killer“ berühmt und berüchtigt wurden und sich bei ihren Gräueltaten unentwegt von den durchaus erfolgreichen und stets von Gewalt beherrschten Werken des Filmregisseurs Bruce Delamitiri inspirieren lassen. Der, gerade mit einem Oscar als bester Regisseur ausgezeichnet, wird von den Medien scharf für seinen derben Stil kritisiert und für die Anstiftung zu Gewalttaten verantwortlich gemacht. Delamitiri weist alle Schuld von sich, doch gelangt schließlich selbst in die Fänge der beiden Psychopathen.

„Diesmal wird es ein Comic“, erklärt Schreyer die Inszenierung. „Wir versuchen immer, den Stücken unseren eigenen Stempel aufzudrücken. Und der Gedanke war, das ganze Thema, die Gewalt und Provokation ein wenig abzuschwächen“, so der Regisseur. „Trotzdem ist es auch eine Art Karikatur. Die Figuren stehen wie gezeichnet auf der Bühne. Es geht nicht darum, große Bewegungen zu machen, sondern um das Bildhafte.“ Die Premiere feiert das Theaterstück am 8. Juni um 19:30 Uhr im Lindenkeller. Hier konnte das Ensemble bereits 2012 mit „Wer hat Angst vor Virginia Woolf …?“ von Edward Albee einen Erfolg landen. Aufgeführt wird außerdem am darauffolgenden Sonntag, 9. Juni um 16:00 Uhr, ebenda sowie am 21. und 22. Juni, jeweils um 19:30 Uhr, im Jagdzimmer des Furtner.

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Juni 2013.
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