Eine bodenständige Geigenspielerin
Die vielseitige Susi Salomon ist ein fester Bestandteil der Freisinger Musikszene

Die beherzte Geigenspielerin Susi Salomon ist seit Jahren ein fester Bestandteil der hiesigen Musikszene, immer wieder tritt sie mit unterschiedlichsten Formationen an allen möglichen Orten auf und wer gerne Konzerte besucht, hat ihr sicher schon gelauscht. Aber nicht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sondern auch hinter der Bühne sorgt sie regelmäßig dafür, dass Musik in die Stadt kommt. Dieses vielseitige Engagement gründet in ihrer Herkunft, bereits ihre Eltern, die beide in einem Chor mitwirken, lebten ihr vor, wie bereichernd Musik sein kann.

Noch heute erinnert sie sich gerne daran, wie sie als Kleinkind dem Volksmusik-Dreigesang ihres Vaters mit zwei Freunden im heimischen Wohnzimmer lauschen und mitsingen durfte. In Erkenntnis dieser Begeisterung wollte ihr ihr Vater das ermöglichen, was ihm selbst verwehrt blieb. Ergo erhielt sie als Sechsjährige eine musikalische Früherziehung anhand von Flöte und Xylophon. In der Folge forcierten die Eltern das Erlernen eines Instrumentes und ermöglichten ihr den Besuch der Musikschule Eching, die quasi vor der Haustüre in ihrem Heimatort situiert ist. Schon damals war sie ein großer Fan von ‚Willie-Le-Truc‘ und ganz besonders von Traudi Sieferlinger an der Geige. Praktischerweise ist eine Geige sehr handlich, so dass sie sich immer gut dabeihaben lässt und tatsächlich hat Salomon ihr gutes Stück immer auf der Rückbank im Auto liegen, so dass sie allzeit bereit ist. Dieses Instrument mit all seinen Facetten und Möglichkeiten zu nutzen, faszinierte sie von Anfang an. Um dies zu verfeinern, nahm sie während ihrer gesamten Schulzeit bis zum Abitur Unterricht bei einer Geigenlehrerin in Eching. Zudem erhielt sie einen umfassenden Musikunterricht am Camerloher-Gymnasium in Freising und wählte als Hauptfach in der Kollegstufe natürlich Musik. Dass sie sich als Abschlussarbeit für eine professionelle CD-Aufnahme und -produktion mit der Freisinger Kultband RPWL entschied, sollte sich wegweisend auswirken. Die Band kannte sie bereits durch ihre Mitwirkung an Veranstaltungen im Lindenkeller, wo sie sich schon seit ihrer Schulzeit in Sachen Promotion, Veranstaltungsleitung und als Stage-Managerin engagiert. Am Anfang war sie an Formaten wie ‚Radio Libido‘ und Electro-Parties maßgeblich beteiligt. Um diese umfassenden Erfahrungen noch mehr zu erweitern, absolvierte sie nach dem Abitur in den Farmland Musikstudios in Attaching ein Praktikum. Dadurch knüpfte sie weitere Kontakte zur hiesigen Musiklandschaft, insbesondere auch zu den ‚Uferlos‘- Machern, was dazu führte, dass sie von Anfang an an der Realisierung des beliebten Festivals in der Luitpoldanlage tatkräftig mitwirkt. Alle Jahre wieder arbeitet sie von der Planung über die Vorbereitung bis zur Durchführung mit, kümmert sich als Stage-Managerin um das Wohlergehen der Bands und kneift auch nicht beim kräftezehrenden Auf- und Abbau. In den letzten beiden Jahren gab es zwar leider kein ’Uferlos‘, deshalb aber keine Pause für Susi Salomon, die sich selbstverständlich bei der Realisierung des ‚Sommerwunders‘ einbrachte.

All diese Projekte kosten viel Zeit und machen jede Menge Arbeit, davon leben aber ist schwierig, genauso wie die Existenzsicherung als Musiker. Darauf hat das Energiebündel nie vertraut, sie wollte  sich vielmehr einen Freiraum schaffen, aus dem heraus sie unbesorgt machen kann, was ihr Spaß macht. Und eben deshalb hat sie auch nicht Musik studiert, die Zukunft schien ihr zu ungewiss, sie wollte lieber Geld verdienen und landete erst mal als Sortiererin im Briefzentrum der Post. Die Zeit dort nutzte sie, um sich selbst zu finden und zu überlegen, wie es weiter gehen könnte. Nach reiflicher Überlegung entschied sie sich für eine Ausbildung zur Drogistin beim DM Drogeriemarkt, der damals viel Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung seiner Mitarbeiter legte. So wurden etwa Theaterworkshops angeboten, in denen die Teilnehmer lernten sich zu bewegen und selbstbewusst aufzutreten,  ferner wurde ihr Charakter gebildet und die Fähigkeit zur Gruppenarbeit geübt und schließlich erarbeitet ihre Gruppe sogar selbst ganze Theaterstücke mit allem Drum und Dran. Salomon wusste diese Chancen zu nutzen und war am Ende selbst als Praktikantenbetreuerin tätig. Doch die Zeiten ändern sich und auch bei DM ist nicht mehr alles wie es einmal war. Inzwischen ist sie im Labor der Landesanstalt für Landwirtschaft tätig und untersucht dort mit wachsender Begeisterung Bodenproben. Gegenüber all ihren musikalischen und organisatorischen Höhenflügen wirkt das wie die ausgleichende Erdung.

Denn so heimatverbunden und bodenständig sie ist, nutzt sie doch mit Elan und Hingabe jede Gelegenheit, von der Erdenschwere abzuheben und dies in verschiedensten Stilen und Genres. Anstatt gezielter Vorlieben pflegt sie lieber ihre Liebe zur Vielfalt, nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch ganz generell. Immer wieder erfindet sie sich neu, probiert gezielt Unbekanntes aus, um dazu zu lernen und flexibel zu bleiben. Ihr breitgefächertes Repertoire reicht von Klassischer Musik über Kirchenmusik, Volksmusik und Musical bis zu Evergreens, Jazz, Chansons, Punk und Psychedelic Rock. Viel Vergnügen bereiten ihr zudem ihre Auftritte als Gstanzl-Sängerin im Rahmen von Hochzeiten.

Bereits während ihrer Schulzeit gründete sie mit drei Freundinnen das ‚Gaudi Quattro‘, um auf diesem Wege zu beweisen, dass sich klassische Musik und Pop ganz wunderbar miteinander verbinden lassen. Damit war das Quartett so erfolgreich, dass es im Jahr 2008 prompt mit dem Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet wurde. Da die vier sich aber inzwischen in alle Himmelsrichtungen verstreut haben, existiert diese Formation leider nicht mehr. Eine andere Kooperation aus dieser Zeit aber hat all die Jahre nicht nur überstanden, sondern ist darüber auch gewachsen. Im Freisinger Szene-Schmelztiegel, dem Abseits, lernte sie einst Axel Le Rouge kennen, der ihr flugs mit seiner Punkband PSR zu ihrem ersten Gig in der dortigen Katakombe verhalf. Mittlerweile verschafft sich Le Rouge bekanntlich obendrein als Chansonoir Gehör und Salomon ist dabei nicht nur weiterhin an seiner Seite, sondern entwickelt schon auch mal spontan ein Stück mit ihm. Im Lauf der Jahre drang sie immer tiefer in die Szene ein und mauserte sich zu einer gefragten Geigerin. So bereicherte sie mittlerweile etwa die Auftritte von ‚Apollons Smile‘ oder des Singer-Song-Writers Aaron Brooks, der früher als Frontman der Psychedelic Rockband ‚Simeon Soul Charger‘ von sich reden machte. Ihre immense Spielfreude verhalf ihr gleichfalls zu Engagements bei großen Projekten der Musikschule Freising, wie etwa der Rockshow und der Beatles Show. Auch an dem Filmmusik-Abend mit dem damaligen Kirchenmusikdirektor Wolfgang Kiechle wirkte sie mit. Als besonders Highlight ist ihr die Carmina Burana-Aufführung auf dem Domberg im Gedächtnis geblieben, zu der sie ihr ehemaliger Musiklehrer vom Camerloher Gymnasium eingeladen hatte.

So fulminant ging es im letzten Jahr freilich nicht zu, doch Stillstand kam für sie nicht in Frage. Mit der Münchner Sängerin Claudia Cane, die auf bayerische Texte spezialisiert ist, ging sie in einem Musikstudio in Klausur, mit anderen Musikern schmiedete sie Zukunftspläne. Und sie vertiefte sich in noch eine ganz andere Leidenschaft, die Schauspielerei. Seit einigen Jahren schon ist sie als Komparse bei der Bavaria-Filmstudio-Agentur gelistet, wo sie ihr Debut in der beliebten Serie ‚Dahoam is dahoam‘ gab. Besonders markant war ihr Auftritt in Polizeiuniform in einer Folge der Krimiserie ‚Der Alte‘. Und nun geht es im Rahmen der Netflix-Produktion ‚Die Luden‘ bald nach Hamburg. Die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, spielt im Hamburger Rotlichtmilieu und die Reeperbahn liegt nun mal an der Elbe, nicht an der Isar. Das ist für sie als heimatverbundene Künstlerin insofern Neuland, da sie bislang bewusst nur im südbayerischen Raum aufgetreten ist. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, ihr Nesthocker-Dasein, wie sie das selbst nennt, zu überwinden. Denn obwohl sie mittlerweile reichlich Bühnenerfahrung hat, betrachtet sie nach wie vor jeden Auftritt durchaus selbstkritisch als Training, um daran wieder ein Stück weiter zu wachsen und schließlich eines Tages so gestärkt zu sein, dass sie mit ihrer Musik hinaus in die Welt zieht und ihrem „Publikum eine schöne Zeit geben und es eventuell sogar dazu inspirieren kann, selbst Musik zu machen“.

Als Nächstes aber ist sie ganz in der Nähe zu hören. Am 11. Dezember 2021 tritt sie nach dem Erfolg im Juli mit Axel Le Rouge nochmals im Schardthof in Essenbach bei Landshut auf. Zudem plant sie vorweihnachtliche Kirchenkonzerte  in der St. Franziskus Kirche in Neufahrn, wo sie bereits seit 20 Jahren aktiv ist. Doch als Erstes steht aktuell ein Konzert für Susi Salomon an: sie feiert nämlich im September ihren 35. Geburtstag und wir hoffen sehr, dass ihre Musikerkollegen sie hochleben lassen. (Foto: Wolfgang Pelz)

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom September 2021.
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