Farbe als Emotionsträger
Unter dem Titel „In Trance“ zeigen drei junge Künstler ihre Gemälde im Schafhof

Passend zum Jahresthema „Farbe“ sind derzeit im Schafhof ausgefeilte Gemälde von drei jungen Künstlern zu sehen. Mit ihrer Herkunft aus unterschiedlichen europäischen Ländern decken sie zugleich die Definition des Schafhof als „Europäisches Künstlerhaus“ ab. So stimmig wie diese Zusammenstellung ist gleichfalls die Arbeitsweise des Trios, die sich durch eine perfekte altmeis-terliche Ölmaltechnik gepaart mit einem subtilen Farbgespür auszeichnet. Dieses ist bei jedem auf seine ganz eigene Weise so raffiniert, das die jeweilige Farbigkeit ein ums andere Mal zum Emotionsträger avanciert. Unterschiedlich hoch sind jedoch deren Abstraktionsgrade, die so wie die Konzentrierungen der Coloratur, vor allem der Steigerung des Ausdrucks dienen.

So lösen sich in den großformatigen Gemälden von Adam Bota, dem geborenen Linzer mit ungarischen Wurzeln, die nicht näher definierbaren Personen scheinbar in der Bildfläche auf. Erst bei größerem Abstand kristallisieren sich aus der pixelartigen Malerei, die mit ihren Lichtreflexen an die Impressionisten erinnert, schemenhafte  Gesichter heraus. Eingebettet sind diese in ein durchnuanciertes Hell-Dunkel, das manchmal allein aus einem Farbton heraus entwickelt ist und in seiner Gesamtheit an das Camouflage-Muster erinnert. Dies ist natürlich kein Zufall, soll doch auf diesem Wege das Verschwinden thematisiert werden. Je stärker Bota diese Auflösung provoziert, desto stärker tritt das fließende Spiel der Farben, das auch für sich allein wirkt, in den Vordergrund.
Die ureigene Kraft der Farbe kennzeichnet gleichfalls das Werk von Joseba Eskubi aus Bilbao. Er zieht den Betrachter mit brillanten, surrealen Farbfeuerwerken in seinen Bann und gibt sich dabei durch und durch als Spanier zu erkennen, der ebenso gut von Dali wie von Velazquez gelernt hat. Die für letzteren so typische Theatralik von Hell und Dunkel gepaart mit leuchtendem Colorit blitzt immer wieder in Eskubis verhältnismäßig kleinen Kompositionen auf. Unterstrichen wird diese Spannung von den rätselhaften amorphen Körpern, die er in seine imaginären Räume setzt. Mal erinnern sie an organische Formen, mal an Insekten, immer aber sind sie fragil und geheimnisvoll, aber von einer ungeheueren Kraft, die sich mit Leichtigkeit in den leergefegten Landschaften, die sie jeweils vollkommen besetzen, behaupten können.

Daneben wirkt die Farbpalette von Rudy Cremonini aus Bologna vergleichsweise zurückgenommen. Meist greift er zu einem Kanon aus erdigen und dunklen Farben, mit denen er das Leben und mehr noch dessen Vergänglichkeit  visualisiert. Charakteristisch für seine Arbeitsweise ist die Masse der Farbe, mit der er so hantiert, dass aus dem regelrechten Farbbett des Grundes Lebewesen wie Menschen oder Vögel  förmlich herauswachsen, aber eben letztlich doch in diesem Bett verhaftet sind. Fast wirken diese Bilder voller Melancholie und Morbidität so, als hätte er seine Protagonisten für die Ewigkeit präpariert. Diese kontemplative Stille zeichnet all die 20 Gemälde aus, wenn auch in vollkommen unterschiedlichen Temperamenten. Diese Konzentration resultiert nicht zuletzt aus den verschiedenen Ebenen, in die der Betrachter gewissermaßen „In Trance“ versinken kann. Und sobald er sich darauf einlässt, ist er der tagtäglichen, übermächtigen Bilderflut entrückt und kann sich ganz der Entschleunigung hingeben. Und die spiegelt sich obendrein in der Machart der Bilder, die allesamt in einem zeitaufwändigen Prozess über unzählige Schichten, quasi als Gegenpol zu unserer schnelllebigen Zeit, entstanden sind.

bis 8. September 2013
Schafhof – Europäisches Künstlerhaus Oberbayern
Am Schafhof 1, Freising
Dienstag bis Samstag von 14 bis 19 Uhr, Sonn- und Feiertage von 11 bis 19 Uhr
Öffentliche Führung am 3. September 2013 um 17.30 Uhr

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom September 2013.
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