Kinderbeteiligung von Anfang an

Dass schon die ganz Kleinen durchaus in der Lage sind eigene Entscheidungen zu treffen, wissen die Erzieherinnen der Evangelisch-Lutherischen Tagesstätte in Freising ganz genau. Sie erleben es jeden Tag in der Früh, wenn die Kindergartenkinder im Morgenkreis in alltägliche Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden. Im (non-) verbalen Dialog werden Alltagsthemen besprochen, gehörte Geschichten gemeinsam reflektiert und Tagesprojekte geplant – natürlich immer mit Unterstützung der Erzieherinnen und immer gemessen am Entwicklungsstand der beteiligten Kinder.
Die Beteiligung der Kinder, die Partizipation, ist ein wichtiger Bestandteil im Konzept der Einrichtung, die derzeit 80 Krippen- und Kindergartenkinder betreut. In so genannten Kinderkonferenzen werden die Kinder, auch jüngere, dazu ermutigt, sich an der Gestaltung ihres Alltags aktiv zu beteiligen. So haben die Kleinen zum Beispiel selbst entschieden, in welcher Form der Nikolaus ihnen einen Besuch abstatten durfte. In einer sich aus dem Morgenkreis heraus entwickelten Konferenz durfte jedes Kind eigenhändig einen Punkt neben die Option auf der Wahltafel kleben, die es als wünschenswert ansah. Auf diese Weise wurde auch über die jeweilige Form der Martinslaterne abgestimmt, die jede Gruppe basteln durfte.
Partizipation im Kindergarten ist nichts Neues. Ein Paragraf im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) besagt, dass Kinder und Jugendliche entsprechend ihres Entwicklungsstandes „an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen” sind. Da §8 KJHG keinerlei Altersbegrenzungen enthält, gilt das natürlich auch uneingeschränkt für Kindergärten und Kindertageseinrichtungen. So kann schon von Kindesbeinen an vermittelt werden, dass man selbst für die eigenen Belange und die der Gemeinschaft zuständig ist. Ebenfalls wichtig: sich konstruktiv streiten können; also eigene Interessen vertreten, sich in andere hineinversetzen und es aushalten zu können, wenn man sich nicht durchsetzen kann. Kinderbeteiligung erweist sich als Kernelement einer zukunftsweisenden Bildungs- und Erziehungspraxis, sie ist ein Schlüssel zu Bildungsqualität und Demokratie (Bayrischer Bildungs- und Erziehungsplan/BEP). In der Evangelisch-Lutherischen Kindertagesstätte wurde erst kürzlich das „offene Spiel“ eingeführt. Hier können sich die Kinder in der Einrichtung frei und selbstbestimmt bewegen. Durch Anbringen eines persönlichen Anhängers mit Foto an einer bestimmten Station an der Wahltafel können die Kinder entscheiden, ob sie sich in der Turnhalle austoben, lieber im Garten oder Bällebad spielen oder sich beispielsweise ein Buch anschauen bzw. es sich vorlesen lassen möchten. Was den wöchentlich wechselnden Speiseplan betrifft, haben die Kinder ebenfalls Mitspracherecht. Partizipation wird konkret erfahrbar, indem die Kinder im Wechsel Gerichte vorschlagen können, die sie dann auch mitkochen dürfen.
Damit das hohe Maß an Selbstbestimmungsrechten im Alltag die Kinder nicht überfordert, bieten die Stammgruppenbildung, eine klare Raum- und Zeitstruktur sowie das Einhalten fester Regeln und Grenzen einen sicheren Orientierungsrahmen. Die Kinder wissen genau, wo was passiert. Der Tagesablauf ist durch Tages- und Wochenrituale strukturiert. Das neueste Projekt steht auch ganz im Zeichen der Kinderbeteiligung: Demnächst wird der Schlafbereich in beiden Krippengruppen umgestaltet, damit die Kleinen selbst entscheiden können, wann sie das Bett verlassen möchten – eine altersgerechte Beteiligungsform für die jüngsten Krippenkinder.




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