Schwimmbadassoziationen
Die Gewinner des Architektenwettbewerbs stehen fest.

Ein Jahr ist es her, dass der Werkausschuss seine Zustimmung für den Bau eines Sport- und Freizeitbads am Standort Rabenweg gegeben hat. Bis März 2013 hat es gedauert, bis die Stadtwerke in Zusammenarbeit mit der CONSTRATA Ingenieur-Gesellschaft aus Bielefeld alle Projektanforderungen in ein Raumprogramm integrieren konnte. Allgemeine Begehbarkeit, Wasserfläche im Innen- und Außenbereich, Sauna-Garten, Positionierung und Größe des Parkdecks, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit der Gastronomie sowie der separate Eingang für Schulklassen und Vereine zählten beispielsweise zu den Vorgaben. Aus allen Bewerbern wurden zwanzig Architektenbüros aus Deutschland, Österreich, Italien und Spanien eingeladen, sich mit frischen Ideen an einem Architektenwettbewerb zu beteiligen. Seit Ende Juli 2013 stehen die vier Gewinner fest, die dem Stadtrat voraussichtlich in seiner nächs-ten Sitzung am 24. Oktober zur endgültigen Abstimmung vorgeschlagen werden.

Obwohl Herrenbecken, Krakenbecken und Kleinkinderbecken dem Neubau weichen werden, wird sich die zukünftige Wasserfläche durch verschiedene Sport- und Lehrschwimmbecken sowie Familien- und Kinderbecken im Innen- und Außenbereich im Gegensatz zum Istzustand vergrößern. Der Hallenbereich wird zukünftig auch im Sommer nutzbar sein, was einen wetterunabhängigen Besuch ganzjährig möglich macht. Da sich alle Büros an diese Vorgaben hielten, spielte bei der Bewertung vor allem Zweckmäßigkeit, Lärmschutz, Wirtschaftlichkeit und Ästhetik eine Rolle. Kreativität und Originalität der Umsetzung waren schluss-endlich für die Entscheidung der Preisrichter ausschlaggebend.
Von 8.30 Uhr bis 21 Uhr dauerte die Analyse der Vorschläge, die dem Preisgericht Ende Juli durch Tarnzahlen anonymisiert ausführlich vorgestellt wurden. Von Y-förmig über kubisch bis hin zu atriumartig reichten die Ideen der Baukörper, von klar strukturiert bis kleinteilig verspielt die Gesamtkonzepte. Mit der Tarnzahl 1005 belegt der Entwurf des Büros Löweneck + Schöfer Architekten GmbH aus München Platz vier. Der Plan sieht einen kompakten Gebäudekomplex entlang des Rabenwegs vor. Das Parkdeck mit 135 Stellplätzen verteilt auf drei Ebenen befindet sich im rechten Teil der Baumasse, das Hauptgebäude, in dem sich Foyer, Umkleiden und Sanitärbereich, Sport- und Freizeitbad, Sauna, Wellness, Gastronomie, Verwaltung und Technik auf Untergeschoss, Erdgeschoss und Obergeschoss verteilen, im linken. In Höhe des heutigen Zugangs schließt der Außenbereich der Saunalandschaft an. Neben Sport- und Sprungturmbecken wird es im Freibadbereich ein weiteres Sportbecken sowie ein Freizeit- und Kinderbecken geben. Eine der gestalterischen Besonderheiten werden wohl die großzügig angeordneten Oberlichter sein, die „ein attraktives Ambiente und eine weitestgehende kunstlichtfreie Beleuchtung“ gewährleisten werden. „Auf der Freizeitbadgalerie wird durch eine großflächig öffenbare Dachverglasung der Charakter einer Sonneninsel geschaffen.“ Das Preisgericht bewertete die optimal organisierte Abfolge der Badebereiche, die auch unabhängig voneinander genutzt werden können, als positiv. Im Prüfbericht heißt es weiter: „Das Freizeitbad liegt zentral in der Anlage und hat sehr schöne Blickbeziehungen in die Parklandschaft der Außenanlagen … Die Galerie mit freiem Blick in das Freizeitbad und Durchblick in das Sportbad ist ansprechend. Die gut organisierte Sauna orientiert sich nach Westen, der Saunagarten optimal nach Südwesten.“ Negativ wird dem Entwurf der mit hundert Meter recht lange Weg vom Parkdeck zum Eingangsbereich sowie die 7,50 Meter hohen, mit Kletterpflanzen berankten Gabionenwände ausgelegt, die zur Geräuschabschirmung an der West- und Südwest-Grundstücksgrenze vorgesehen sind.

Der dritte Platz ging an das Gemeinschaftsprojekt der Architektengesellschaft Bechler, Krummlauf, Teske aus Heilbronn und dem Landschaftsarchitektenbüro knoll-neues-grün aus Holzgerlingen. In einer L-förmigen Bauform platzieren sie den kompakten Baukörper mit einer einladenden, großzügigen Eingangssituation direkt am Rabenweg. Über eine Rampe sollen die Besucher in den Eingangsbereich im Obergeschoss des Hauptgebäudes gelangen. Auf gleicher Ebene befindet sich neben der Verwaltung die Gastronomie für Bad, Sauna und öffentliche Nutzung. Umkleiden und Duschen, Sportbad, Freizeitbad, Wellness und Sauna sind im Erdgeschoss vorgesehen. Geparkt werden soll auf sieben Ebenen in einem vom Rabenweg zurückversetzten Parkdeck. Die Außenanlage der Sauna liegt an der Ecke Rabenweg – Am Schwimmbad. Die Becken des neuen Freibadbereichs gruppieren sich südöstlich von Sprungturm- und Kampfbecken. „Die Wasserflächen des Freibads gliedern sich um einen neu angelegten Grashügel. Dieser terrassierte Hügel bietet schön besonnene Liegeplätze und integriert das fremd wirkende Sprungturmbeckenbauwerk gefällig“, beschreiben die Kreativen den Außenbereich ihres Konzeptes. Für gut befunden wird die „spannende Freizeitbadlandschaft mit gestaffelten Höhen und schönen Blickbeziehungen in die Park-/Freibadlandschaft. Sauna und Saunagarten sind optimal platziert …“ Weiter heißt es über den Außenbereich: „Durch das ins Gelände vorgerückte Familien- und Sportbecken werden sowohl diese Bereiche als auch der Saunabereich gut von Westen belichtet. Dadurch ergibt sich ein optimaler Bogen zu den gut aufgestellten Freiflächen.“ Zu den negativen Stichpunkten zählen u.a. die Ansiedlung der Freibad-Gastro im Obergeschoss und eine fehlende Geräuschabschirmung.

Auf den zweiten Platz verwies das Preisgericht Behnisch Architekten aus München in Kooperation mit Andreas Peyker, die sämtliche Funktionen des „Sport- und Freizeitbades ringförmig auf der West- und Südseite mit einem liegenden Baukörper“ anordnen. Die Haupterschließung dieses Entwurfs erfolgt über die Straße Am Schwimmbad. Im Erdgeschoss sind Foyer, Gastronomie, Sportbad und Bad-Umkleide vorgesehen. Das übergrünte Parkhaus mit drei Ebenen befindet sich im mittleren Teil des Gebäuderings mit einer Zufahrt über den Rabenweg. Rechts davon schließt die Sauna mit Garten, separater Umkleide, Wellness und Gastronomie an. Im Freibadbereich werden Sport- und Sprungturmbecken zentral um ein kombiniertes Freizeit- und Sportbecken ergänzt. „Wie Steine im Wasser“ werden Sportbad, Freizeitbad und Saunalandschaft „von den geschwungenen Dach- und Galeriebrüstungen umspielt. Eine angenehme, heitere und offene Grundstimmung wird sich einstellen durch unterschiedliche räumliche Situationen, durch natürliches Licht und durch schöne Ausblicke ins Grün“, lautet es in der Beschreibung der Planer. Die „gute, zentrale Anordnung der Becken im Bereich der Freianlage“, die „Gestaltung einer Tribüne mit zentraler Aufsicht“ und „erweiterte Liegebereiche als Galerie im Freizeitbad“ sind einige der Punkte, die das Preisgericht als positiv bewertet. Die Erschließung über die Straße Am Schwimmbad und die durch den ausladenden Bau bedingten langen Wege zwischen den Bereichen gehören hingegen zu den negativen Stichpunkten. Als etwas schematisch sehen die Gutachter die „vermutlich vollständig verglaste Fassade“ an.

Zum Sieger des Wettbewerbs macht das Preisgericht den Entwurf 1006 der Architekten Venneberg & Zechaus Hannover, die in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekturbüro Grün plane eine Arbeit einreichten. Der Hauptkörper des vorgesehenen Kombibads erstreckt sich parallel zum Rabenweg. Im Erdgeschoss sind Foyer, Gastronomie, Freizeit- und Sportbad untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich Verwaltung, Sauna und der Bad-Gastrobereich. Leicht nach hinten verlagert und abgewinkelt liegt rechts davon das Parkdeck mit drei halb versetzten Ebenen. Der Außenbereich der Saunalandschaft samt Schwimmteich ist links vom Hauptgebäude, auf der Höhe des heutigen Eingangs verortet. „Wogende Körper tanzen im Wasser und nehmen eine scheinbar spielerische, zufällige Position ein …“ So umschreiben die Architekten eine scheinbar zufällige Anordnung der Baukörper. Durch die Umsetzung dieser Grundidee in ein „wogendes“ Außenterrain bewirken die Architekten einen natürlichen Schallschutz und integrieren den blockartigen Bau des Springerbeckens in die landschaftliche Topografie. Kinder- und Freizeitaußenbecken sowie ein weiteres Sportbecken fügen sich harmonisch in die geschwungene Glasfront des Hallenbads. Die „kompakte Anordnung der Funktionsbereiche“, eine „gute Übersicht über die Badeplatte“, die „Erweiterung der Liegebereiche im Badebereich durch eine Liegegalerie“ sowie „kurze Wege vom Kinderbereich zur Schimmbadgastronomie“ zählen zu den positiven Funktionen. Nicht ganz überzeugt hat die Ausrichtung des Saunabereichs im Obergeschoss, der über die Glasfassade des Freibadbereichs einsehbar ist.

Als Empfehlung hat das Preisgericht diese Priorisierung an den Stadtrat übergeben. Dessen Mitglieder konnten sich in der öffentlichen Ausstellung aller eingereichter Wettbewerbsarbeiten im Rathaussaal bis Mitte August ein eigenes Bild der Entwürfe machen. Welcher der Schwimmbadassoziationen dann ab Herbst 2014 umgesetzt wird, das bleibt nun bis zur endgültigen Entscheidung abzuwarten.



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