So schaut´s nämlich aus.

Granteln gehört zum Handwerk: Deswegen erscheint hier im FINK die Kolumne „So schaut ́s nämlich aus“. Wechselnde Autoren machen ihrem Unmut Luft. Immer subjektiv, ohne die Meinung der gesamten Redaktion widerzuspiegeln. 

Am besten erkennbar sind sie ja im Straßenverkehr. Dank des „M“ auf dem Kennzeichen. Und wegen ihrer Fahrweise. Nah auffahren, rasant überholen, knapp wieder einscheren. „A Münchner“ kann man da nur resignierend sagen.
Spaßig wird es eigentlich nur dann, wenn sich mal ein Ortsunkundiger mit M-Kennzeichen im Freisinger Einbahnstraßendschungel verirrt und mit gewohnter Fahrweise nicht mehr wirklich weiterkommt. Ja, zugegeben, das sind ganz schön viele Vorurteile (auch wenn sie sich halt immer mal wieder bestätigen). Aber Freising und München – das ist und bleibt ein schwieriges Verhältnis. Nicht nur rein historisch ist das Verhältnis belastet. Blicken wir zurück ins Jahr 1156. Die stolze Bischofsstadt Freising floriert, auch dank des Brückenzolls, der bei Oberföhring von den Salzhändlern eingenommen wird. Bis in diesem Jahr Heinrich der Löwe die Brücke zerstören lässt und eine neue Handelsbrücke genau dort aufbaut, wo heute die Landeshauptstadt steht. Die Folge: München wuchs und wuchs, Freising nicht. Aber immerhin war die Domstadt lange Zeit ja noch ein unabhängiges Hochstift. Bis 1803, als die Münchner mal wieder einfielen und Freising ins Königreich holten. Spätestens seit diesen Ereignissen sehen die meisten Münchner Freising nur noch als einen ihrer Vororte. Wobei: Wer sind denn heutzutage eigentlich die Münchner? Wirklich echte Landeshauptstädter muss man schon mit der Lupe suchen. Denn die meisten Leute, die sich gern als weltgewandte großstädtische Münchner verstehen, kommen in Wirklichkeit aus kleinen Käffern zwischen Oberpfalz, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Ostdeutschland oder sonst wo her. Die eigene Herkunft wird gern verleugnet, denn immerhin wohnt man ja im Glockenbach, schlürft seinen Latte Macchiato im Straßencafe, schafft sich ein paar bairisch klingende Sprachbrocken drauf und schmeißt sich jedes Jahr zum Oktoberfest in ein Gewand, das so aussieht wie eine Tracht. Und so bastelt man sich ein Selbstverständnis zwischen Schuhbeck, P1, Maximilianstraße und Allianz-Arena zusammen, das in Büchern nachzulesen ist wie „111 Gründe München zu lieben“. Und da sind Sätze zu lesen wie: „Dass es außerhalb Münchens oder gar außerhalb Bayerns kein wirklich schönes Leben geben kann, davon ist der Großtteil der Münchner Ureinwohner überzeugt.“ Einzig versöhnlich an diesem Buch stimmt uns der Lebenswert-Grund Nummer 90: „Weil Freising und Weihenstephan so idyllisch sind.“ Na also, geht doch.




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