So schauts nämlich aus!

Granteln gehört zum Handwerk: Deswegen erscheint hier im FINK die Kolumne „So schauts nämlich aus“. Wechselnde Autoren machen ihrem Unmut Luft. Immer subjektiv, ohne die Meinung der gesamten Redaktion widerzuspiegeln.

Manch einer denkt ja, wir leben im Jahr 2012, sind aufgeklärt und aufgeschlossen, man heiratet kaum noch, wenn doch wird jede zweite Ehe wieder geschieden, es patch-workt jeder dritte, kurzum: Wir sind alle total entspannt, loyal und völlig ohne Vorurteile….
Bei meiner Wohnungssuche als Mama zweier Kinder und ohne den entsprechenden „Herrn im Haus“ stoße ich allerdings immer wieder auf Wunderliches. Jetzt ist ja die Wohnungssuche im Allgemeinen in Freising sowieso schon ein schier unmögliches Unterfangen, im Besonderen kommen aber noch ein paar Erschwernisse hinzu…

Ein Telefonat:
„Immobilien xxx, hallo?“
„Ja, grüß Gott, hier Krämer, ich interessiere mich für die Drei-Zimmer-Wohnung in Freising, die im Immobilienscout ausgeschrieben ist.“
„Ja, Frau Krämer, wieviele Personen sind sie denn?“ Auf diese Frage habe ich schon gewartet und das Spiel beginnt….
„Wir sind zu dritt.“
„Aha, also zwei Erwachsene und ein Kind, ja?“
„Nein, EINE Erwachsene und ZWEI Kinder.“ Ich kann mir nicht helfen, aber ich muss schmunzeln, ich bin gespannt wie der gute Mann reagiert.
„…… Pause…..“
„Hallo, sind sie noch dran?“ Die Nachricht, dass er es mit einer alleinerziehenden Mama zu tun hat, hat dem armen Herrn komplett die Sprache verschlagen. Ist aber auch wirklich eine Seltenheit. Er stottert rum: „Ähhm ja, also und ähm Frau Krämer, wer zahlt denn dann da die Miete? Sie sind ja wahrscheinlich nicht berufstätig, also zahlt die dann der ähh der Vater der Kinder??“ Hier bleibt mir kurz die Luft weg. Wo wohnt der Mann? Hinterm Mond? Freundlich tue ich also kund, dass ich selbständig bin, der Vater natürlich Unterhalt bezahlt, meine aktuelle Miete 1100 warm beträgt und ich mich in der Lage sehe, die neue Wohnung zu bezahlen.
Der Mann schnauft hörbar auf. „Tiere haben sie aber nicht auch noch, Frau Krämer, oder?“ Ich ringe um Fassung – einen kurzen Moment muss ich der Versuchung widerstehen, ihm von den Kopfläusen meiner Kinder, den Milben in der Matratze und der Ratte, die ich immerzu auf dem Arm trage zu erzählen. NEIN zum Kuckuck!! „Nein, natürlich nicht“, flöte ich freundlich ins Telefon.
Er müsse das mit den Vermietern abklären, gäbe mir aber in jedem Fall Bescheid, sagt der Mann und verabschiedet sich. Auf seinen Anruf warte ich heute noch…

Noch ein Telefonat:
„Immobililien xxx, hallo?“ Eine Frau.
„Ja, grüß Gott, Krämer…“, diesmal ist es eine Vier-Zimmer-Wohnung.
„Ja, Frau Krämer, wieviele Personen sind sie denn?“, same procedure…
„Wir sind zu dritt.“
„Aha, also zwei Erwachsene und ein Kind, ja?“ Ich kann es kurz nicht fassen, dass ich zweimal exakt die gleichen Fragen gestellt bekomme, aber ich antworte natürlich wieder brav: „Nein, EINE Erwachsene und ZWEI Kinder“
„…… Pause…..“, diesmal noch länger als beim ersten Mal.
Die freundliche Stimme der Frau nimmt einen harschen Ton an und sie erklärt mir, dass in dem Haus nur alte Leute wohnen und die wollen ihre Ruhe haben. Es täte ihr leid. Aufgelegt.
Jetzt will ichs aber wissen. Am Nachmittag rufe ich nochmal dort an, mit unterdrückter Rufnummer. Ich gebe mich als Frau Meier aus (wie originell), bete mein Sprüchlein herunter, sie fragt nach den Personen, ich melde: vier. Zwei Erwachsene und zwei Kinder.
Die Stimme der Frau säuselt mir ins Telefon, dass das ja ganz nett sei und dass sie mir morgen Nachmittag einen Besichtigungstermin anbieten kann. Ich bin geplättet. Die alten Leute, die in dem Haus dringend ihre Ruhe brauchen, tun dies scheinbar nur, wenn nur ein Elternteil mit in der Wohnung lebt.
Beim nächsten Versuch bekomme ich doch glatt einen Besichtigungstermin ohne vorher nach meinem Familienstatus gefragt zu werden. Irgendwann fragt mich der Makler, ob denn die Wohnung nicht ein bisschen klein für uns sei, so eine Familie mit zwei Kindern. Ich schaue ihn freundlich an und melde, dass ich vorhabe, hier allein mit den Kindern einzuziehen, und dass uns drei Zimmer bei den Mieten in Freising einfach reichen müssen.
Dem schicken Herren fällt dann mal ganz gediegen die Kinnlade runter. Er mustert mich kurz. Ich kann ihm dabei zusehen, wie das Bild der alleinerziehenden Mutter, das er im Kopf hat, langsam zerbröselt…. Die fertige Mama, die sich zum Frühstück die Bunte, ́ne Kippe und ein Bier reinzieht und die dreckverschmierten Schrazen, die Süßigkeiten mampfend vor dem Fernseher sitzen und laut rumkreischen….
Der Mann windet sich, er hatte gerade erst so richtig Gefallen an uns gefunden: „Also Frau Krämer, es tut mir ja leid, aber Alleinerziehende müssen wir kategorisch ablehnen“ Kategorisch! Tolles Wort und vor allem was für ein Statement. Wow, diesmal bin ich mal kurz sprachlos. Ich bin zwar einiges gewöhnt, aber so ehrlich hat ́s mir noch nie jemand ins Gesicht gesagt.
Er erklärt sich um Kopf und Kragen, dass man Alleinerziehende nicht rausklagen kann, wenn sie ihre Miete nicht bezahlen, etc…
Ich wollte mich ja auch gar nicht aufregen eigentlich, nein, ich verstehe auch, dass ein Vermieter seine Miete gesichert haben will. Allerdings würde ich mich eher noch zusätzlich beim Lidl an die Kasse setzen, als mir die Blöße zu geben, meine Miete nicht zahlen zu können. Aber was ich nicht verstehe: Angeblich ist in Deutschland jede 2.Ehegeschieden.1–2–1–2-gut, ich bin also eine 2, aber wo zum Geier wohnen die ganzen anderen 2er?? Und wer hat den Maklern diesen ganzen Unfug, den sie von sich geben, eingetrichtert?
Aber ehrlich gesagt hoffe ich sowieso auf eine Wohnung, die von privat vermietet wird, denn dann werde ich das gesamte Geld, dass ich mir bei der Provision spare, in Dosenbier, Bunte-Zeitschriften und Zigaretten investieren…

 




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