Timi geht essen: Kegeln in Attaching

Heute gehen wir kegeln. Nicht zum Bowling. Das ist anscheinend ein riesen Unterschied. Hab ich mir sagen lassen. Hier also die Unterschiede zwischen Bowling und Kegeln:
– Eine Bowlingkugel ist größer und schwerer als eine Kugel beim Kegeln.
– Bowlingkugeln haben Löcher zum hineingreifen. Beim Kegeln gibt ́s keine Löcher.
– Die Bowling-Pins heißen beim Kegeln folgerichtig Kegel.
– Beim Kegeln gibt es neun Kegel und beim Bowling zehn. Welche sich dann ja Pins nennen, wie wir soeben gelernt haben.
– Die Pins sind im Dreieck angeordnet, die Kegel als Raute.
– Eine Bowlingbahn ist viel breiter als eine Kegelbahn.
– Beim Bowling sind die Pins in der Regel nicht an Fäden festgemacht.
– Die Kugel schlittert beim Bowling über die glatte Fläche der Bahn, beim Kegeln rollt sie.

Mit diesem unnützen „Wer-wird-Millionär-16.000 Euro Antworten“ möchte ich euch recht herzlich zur aktuellen Timi-geht-essen-Folge im März begrüßen.
Ein paar Spezis haben beschlossen, nach Attaching ins Sportheim zum Kegeln zu gehen. Und ich darf mich freundlicherweise anschließen. Saubere Schuhe sollte man dabei haben, sonst darf man, wie ich, gleich wieder heimfahren und welche holen. Als ich dann zum zweiten mal das Sportheim in Attaching betrete, stechen mir sofort die enormen Pokale im Gastraum in die Augen. Sehr imposant! Die Bedienung begrüßt mich mit einem zünftigen „Grias Di! Kehrst du a zu die andan Junga?“ Ich denke schon. Freundlich weißt sie mir den Weg zur Kegelbahn.

Der „BC Attaching / Abteilung Sportkegeln“ trainiert hier. Heute aber nicht. Das ist gut für uns, es sind nur drei der sechs Bahnen belegt. Die modernste Anlage ist es nicht gerade. Man schmeißt spezielle Münzen in ein kleines Eisen-Kästchen und notiert die Spielstände auf einer kleinen Tafel mit Kreide. Nix Digital. Dafür macht alles einen sehr gepflegten Eindruck und wirkt sehr liebevoll und einladend. Das ist mir eigentlich auch viel sympathischer als diese Mega-Bowling-Center im Nirgendwo. Is halt eben Kegeln.

Timi, komm schon auf den Punkt, was erzählst du uns hier? Du hast doch sicherlich auch was gegessen… Und das war doch auch ziemlich gut, sonst würdest du doch nicht darüber schreiben und würdest hier keine ellenlange Einleitung bringen, damit du deine Dreiviertel Seite hier im Fink füllen kannst!
Richtig! Verdammt gut war ́s. Und zwar so richtig! Ich war selbst ganz überrascht. Hätt ́ ich dem Attachinger Sportheim gar nicht zugetraut. Ich hatte das beste Cordon Bleu meines Lebens. Wirklich! Die Pommes wunderbar knusprig und gleichzeitig innen nicht tot frittiert. Der Beilagensalat ein Träumchen mit genau der richtigen Säure. Und das Cordon Bleu selbst: butterweich… mit einer handwerklich perfekten Panade, zart schmelzender, schmackhafter Käse, fantastischer Schinken, sehr saftig. Perfekte Zutaten, perfektes Endprodukt. Vielen Dank dafür, ich kann nur schwärmen! Auch die Gerichte der anderen, Kartoffelplätzchen auf Salat, Schweinelenden mit Schwammerl, und so weiter, wissen definitiv zu überzeugen. Wer also keine Lust auf Kegeln hat, kann hier trotzdem herkommen und wird von der Qualität der Speisen sehr positiv überrascht werden.

Zwei Bahnen neben uns Kegeln etwas ältere Damen und Herren ziemlich professionell. Sie schreiben akribisch ihre Punktestände in Listen und gehen ausgefeilte Taktiken durch. Auf dem Tisch unserer Kegel-Nachbarn stehen Mon Cheri und Ferrero Küsschen. Aus denen darf sich der Gewinner wohl was aussuchen. Wir, als blutige Kegelanfänger mit etwas zu viel Bier und Sekt im Kopf werden weder komisch angeschaut noch ausgeschlossen. Alle sind überaus freundlich und zuvorkommend zu uns. Wie in einer großen, freundlichen Kegel- Familie. Wirklich zu beneiden, unsere Kegelnachbarn: Wenn ich mal in Rente gehe, wünsch ich mir auch einen Kegelverein! Vor allem dann, wenn das Essen dort so fantastisch schmeckt!

Wie man als eingefleischter Kegler so sagt: Gutholz!

Euer Timi

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom März 2012.
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