Tradition hat einen Namen: Scholbeck
Einer der ältesten Inhaber geführten Handwerksbetriebe in Freising

Scholbeck – dieser Name steht wie kein anderer in Freising für Holz.  Und für Tradition. Schon seit 1840 ist das Familienunternehmen erfolgreich. Ein Blick in die über 180-jährige Geschichte eines ganz besonderen Betriebs.

Josef Scholbeck I., gründete 1840 einen Zimmerei-Betrieb im Unteren Graben. Vier weitere Josefs sollten ihm folgen. Als die Platzverhältnisse im Unteren Graben zu eng geworden waren, fand Josef Scholbeck II. im Jahr 1899 im damals neuen Freisinger Stadtviertel Lerchenfeld einen geeigneten Grund. Er schüttete den Lagerplatz seines Unternehmens mit Kies und rotem Sand auf, um zu verhindern, dass ihm bei Hochwasser das Holz weggeschwemmt werde.

Es waren schwierige, sogar schlechte Zeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Trotzdem gelang es Josef Scholbeck II, im Jahr 1912, einen aus heutiger Sicht sonderbar erscheinenden Auftrag zu ergattern. Er baute auf seinem Grund ein nicht gerade kleines Holzschiff für einen nordafrikanischen Auftraggeber in Larache Marokko. Das fertig gestellte Schiff wurde anschließend wieder in Einzelteile zerlegt und am Bestimmungsort von seinen Zimmerern wieder zusammengebaut. Die Firmenbelegschaft war damals schon auf ungefähr 20 Mann angewachsen. Offensichtlich war das Projekt erfolgreich, denn es wurde noch ein zweites Schiff bestellt und auch geliefert.

1926 wurde der Betrieb um ein Sägewerk erweitert, das zuerst noch mit Dampf betrieben wurde. 1938 fand dann die Firmenübergabe an Josef Scholbeck III., also den Enkel des Firmengründers, statt. Zusätzlich wurde der Betrieb um eine Bauschreinerei und Treppenbau erweitert. Das eigentliche Geschäft war für lange Zeit die Errichtung von Dachstühlen. Vor allem bei Lagerhallen, Kirchenbauten und vielen Privathäusern in und um Freising war die Firma Scholbeck gern und oft gesehen. Zu den von der Firma Scholbeck realisierten Projekten zählten unter anderem 1933 das Pöschl-Haus auf dem Grundstück der jetzigen Glaserei Hiedl, der Dachstuhl der Lerchenfelder Kirche im Jahr 1937 und später auch der Dachstuhl der neuen Lerchenfelder Kirche in den Jahren 1983/84, außerdem die Lagerhallen an der Stadtgärtnerei in Lerchenfeld  und einige Werkstatthallen für Weihenstephan.

1956 heiratete Josef Scholbeck IV. Annemie Dersch, die Tochter des Treppenbaumeisters Dersch an der Erdinger Straße 71. Die Tradition des Handwerks – und auch des Vornamens – wurden weitergeführt, und so übernahm 1967 Josef Scholbeck IV. dann auch den Betrieb seines Vaters. Die Produktion wurde schnell hochgefahren. 1968 wurde eine neue Abbundhalle für die Zimmerei gebaut. Auf dem Gelände des Sägewerks wurde 1970 ein Portalkran errichtet, der die angelieferten Stämme auf dem Lagerplatz deponierte und sie dann ins Sägewerk beförderte, wo bereits mittels elektrisch betriebener Gatter die Holzstämme zu Balken und Bretter gesägt, zugeschnitten und in der Zimmerei verarbeitet wurden. Die Firma Scholbeck war eben auch technisch immer auf dem Stand der Dinge. 1990 wurden das Sägewerk und die Zimmerei aufgegeben. Zeitgleich vergrößerte man den mittlerweile florierenden Holzhandelsbetrieb. Der frei gewordene Lagerplatz führte zu einer Umgestaltung des Grundstücks. In einer neu gebauten Halle wurden jetzt Holzplatten für den Privat- und Großhandelskunden verkauft und zugeschnitten. Von nun an setzte man bei Scholbeck auf den Handel mit Holzdecken, Parkett und Holz im Garten.

1989 heiratete Josef Scholbeck, jetzt schon V., seine Frau Mary McNulty. Während eines längeren Aufenthalts in Canada, der Heimat seiner Ehefrau, kaufte er dort Hölzer, die er nach Freising verfrachten ließ. 1992 wurde an der Stirnseite zur Erdinger Straße hin ein neues, repräsentatives Geschäftsgebäude errichtet, in dem nun auch Ausstellungsräume für die neue Produktpalette eingerichtet wurden.

Die Übergabe an Josef Scholbeck V., mittlerweile Zimmermeister und staatlich geprüfter Bautechniker, fand im Jahre 1993 statt. 1999 folgte ein erneuter Umbau der Werkstatt. Dort werden nun Sichtschutzelemente, Spaliere, Hochbeete, Pflanzkästen, Tonnenhäuser, Kreative Gartenhäuser, Multifunktionelle Gartenschränke und Individuelle Fahrradhäuser nach Kundenwunsch in jeder gewünschten Größe aus österreichischer Gebirgslärche produziert und in ganz Deutschland verkauft. Und der Umwelt zuliebe alle Produkte mit PEFC Zertifizierung!

Alle Produkte wurden und werden nicht nur in der eigenen Werkstatt selbst hergestellt, sondern auch selbst eingebaut beziehungsweise beim Kunden montiert.

Wegen der immer größeren Nachfrage nach Zedernholz aus Canada für den Schiffs-Innenausbau entschloss sich der Firmenchef, 2001 die Firma „Global Wood Canada“ mit Sitz in Toronto zu gründen. In Freising gründete Josef Scholbeck V. dann 2005 „Die-Parkettzentrale“. Hier vertreibt die Firma Scholbeck Parkettböden, Laminat, Kork, Vinyl- und Designböden und verlegt diese auch fachgerecht beim Kunden vor Ort.

2010 wurde die Firma Scholbeck dann in die Scholbeck Holzhandels e.K. umgewandelt. Die Firma Scholbeck beschäftigt momentan 16 Mitarbeiter.

Josef Scholbeck V und seine Frau Mary McNulty haben vier Kinder. Josef T. Scholbeck VI., 1991 geboren, und Maxwell B. Scholbeck, Jahrgang 1998, stehen als sechste Generation und jetzt als die Scholbeck Buam bereit, um in naher Zukunft den traditionsreichen Betrieb im Sinne ihrer Ahnen weiterzuführen.

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Juni 2021.
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