Visonäre Räume aus gemaltem und künstlichem Licht
Ausstellung im Schafhof

Die Ausstellung Light Dome im Schafhof besteht aus zwei Teilen, deren Arbeiten visionäre Räume auf Basis von gemaltem sowie künstlichem Licht präsentieren. Der Titel bezieht sich auf die klassischen illusionistischen Stilmittel der Malerei, Licht und Raum, die die Malerei der Renaissance und des Barock maßgeblich kennzeichnen. Da diese Stilmittel seit einigen Jahren in der zeitgenössischen Kunst eine Renaissance erfahren, lud Eike Berg den ungarischen Maler József Bullás und die Künstlergruppe Glowing Bulbs (Budapest / New York) als typische Protagonisten des modernen Illusionismus ins Europäische Künstlerhaus ein.

In technischer Hinsicht sind die Bilder von Bullás traditionelle Ölgemälde, aufgebaut in mehreren Schichten mit einem ständigen Wechsel von formumreißenden Konturen und flächig fließenden Übergängen. Allerdings sind außer geometrischen Formen, meist Punkten, die ins Kugelartige mutieren, keinerlei organische Formen erkennbar. Dennoch erzeugen diese minimalistischen Punkte wegen des Wechsels von Schärfe und Unschärfe und der gezielten Setzung von Komplementärfarben zum einen eine transzendente Tiefenwirkung und zum anderen ein unheimliches Schwingen, das in sämtliche Richtungen des Raums zu greifen scheint und dabei die Gesetze der Schwerkraft spielend überwindet. Dieses Suchen nach der Visualisierung des Metaphysischen war gleichfalls eine der wesentlichen Intentionen des Barock.

Um ähnliche Effekte zu erreichen, verzichten die Glowing Bulbs gleich auf jegliche Materie, sie Arbeiten allein mit künstlichem Licht, das als Basis für ihre Video-Mapping-Projekte fungiert. Dabei werden die Formen von Architekturelementen digital simuliert und mit Animationen und weiterem Bildmaterial zu Videoprojektionen aufbereitet. Für den Schafhof entwickelten sie natürlich eine Arbeit, die das charakteristische Tonnengewölbe in einen Licht-Dom verwandelt. Mit Hilfe von acht lichtstarken Videobeamern kann die bestehende Architektur verstärkt, aber auch zum Verschwinden gebracht werden und sich so eine Galaxis voller Überraschungen öffnen. Passend zum Thema gibt es am 21. September eine gemeinsame, epochenübergreifende Veranstaltung mit dem Diözesanmuseum unter dem Titel BAROCK contemporary, die sich mit illusionistischen Techniken im Barock und in der zeitgenössischen Kunst auseinandersetzt. Der Nachmittag beginnt um 15 Uhr mit einer Führung durch den Dom und einem Vortrag von Björn Melhus, danach folgt eine Besichtigung der Ausstellung im Schafhof und dort ein Vortrag von Björn Vedder.

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom September 2014.
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