Vitus geht spielen

Einen Treffpunkt für junge Eltern schaffen, die Möglichkeit zum Austausch bieten und Anlaufstelle sein für Familien, die neu in der Stadt, im Landkreis oder im Land sind, das war die Idee, die Sabine von Garßen schon lange im Kopf herumspukte. 2003 ergriff sie mit ihrer Nachbarin und ehemaligen Mitarbeiterin bei der Stadtjugendpflege Meral Meindl die Chance und gründete das Müttercafé im Lerchenfelder Tollhaus. Bis auf die Ferienzeit haben seitdem jeden Dienstag die Türen von 9.30 bis 11.30 Uhr für Kinder bis drei Jahre und ihre Eltern geöffnet. Zum zehnjährigen Jubiläum testet auch Vitus das Angebot.
Mit 19 Monaten ist Vitus mittlerweile flink zu Fuß unterwegs. Seine Neugierde auf die große Halle, in der zu späteren Stunde jugendliche Skater über die Rampen rasen, ist sehr groß. Denn wie aus dem Bistrobereich durch die Glasscheibe zu erkennen ist, stehen dort jetzt zahlreiche Kinderfahrzeuge: Von bunten Bobby-Cars über Tretautos und Kettcars bis hin zu Dreirädern und Rollern ist alles mit dabei. Und der Spaß, den die bereits dort spielenden Kinder haben, ist unüberhörbar. Doch bevor Vitus auf Entdeckungstour gehen darf, gibt es zum Eingewöhnen erst einmal ein kleines Frühstück vom appetitlich hergerichteten Buffet. Brot, Semmeln und Kuchen, Wurst, Käse, Quark, Butter, Marmelade und Honig, Eier, Gemüse und Obst stehen zur Auswahl. Dazu kann unter Tee, Milch, Wasser, Saft oder – für die Eltern – Kaffee gewählt werden. Die Abrechnung erfolgt ungezwungen: Pro gewählte Zutat wird ein Obolus von 50 Cent erwartet, der einfach in die offene Kasse geworfen wird. Obwohl das Frühstück schmeckt, ist der kleine Vitus bald nicht mehr zu halten. Der Reiz der Halle ist zu groß. Also geht es los: Rampe rauf, Rampe runter, Aufsteigen aufs Bobby-Car und eine kleine Runde drehen, Rutsche entdeckt – Rutsche gecheckt: Genauso umfangreich wie das Platzangebot sind auch die Spielmöglichkeiten. Insbesondere die vielen Holzbauten der Skater bieten Abwechslung. Der Kreativität von Kleinkindern sind hier keine Grenzen gesetzt.
Zum ersten Treffen vor zehn Jahren kamen gerade einmal vier Frauen. Beim Zweiten waren es bereits zehn. Seitdem sind es 45 Besucherinnen mit jeweils einem bis drei Kindern. Seit 2006 unterstützt Ute Bormann Sabine von Garßen bei der Organisation. Zu der bereits geschlossenen Kooperation mit der Stadtjugendpflege, die die Räume für den Elterntreff unbürokratisch zur Verfügung stellt, ist eine weitere Kooperation mit der Freisinger Arbeiterwohlfahrt und deren Vorsitzenden Heidi Kammler gekommen. Als eingetragene Organisation ist es der AWO möglich, Spendengelder für das ehrenamtliche Angebot zu sammeln und so das Müttercafé zu finanzieren.  Der Name ist zwar kein Programm, es kommen dennoch hauptsächlich Mütter. „Wir haben lange überlegt, wie wir unser Treffen nennen sollen. ‚Müttercafé. Für Eltern von Eltern‘ ging am einfachsten über die Lippen,“ erklärt Sabine die Namenswahl. Das Konzept sieht eine offene Gestaltung vor: Jeder kann nach Belieben kommen und gehen. Es gibt kein vorgeschriebenes Programm, jeder ist für sein Kind selbst verantwortlich. „Der zwanglose Umgang und die Selbstbestimmtheit senken bei vielen Frauen die Hemmschwelle, herzukommen. Wir haben ein bunt gemischtes Publikum, alle Nationalitäten sind vertreten. Hier entstehen Bekanntschaften und Freundschaften, die andauern“, gibt Sabine sichtlich stolz zu. „Bei uns geht es nicht nur um Kaffeeklatsch. Bei uns hat sich eine Gemeinschaft entwickelt, die im ländlichen Raum immer schon üblich war.“ Ob Fragen zu Gesundheit, Freizeit, Kinderbetreuung oder Berufseinstieg, von Sabine und Ute können junge Mütter alles rund um die Familie erfahren. „Von ‚Wo gibt es günstige Windeln‘ bis ‚Ich habe Probleme mit meinem Mann‘, ist alles mit dabei.“ Obwohl beide durch ihre Berufe als Diplompädagogin und Geburtsvorbereiterin wie auch durch die Zusatzqualifikation der Elternbegleiterin das notwendige Handwerkszeug mitbringen, können die ehrenamtlichen Betreuerinnen nicht immer Hilfe leisten. Dann steht ihnen ein über die Jahre aufgebautes Netzwerk an vertrauensvollen Beratungsstellen zur Verfügung, zu denen die Beiden die jungen Familien auch gerne begleiten.
Den zehnten Geburtstag feiert das Müttercafé am Samstag, 13. April 2013. Von 14.00 bis 18.00 Uhr sind alle Freunde, Ehemalige und Unterstützer des Treffens zu Kaffee, Kuchen und Butterbrezn eingeladen. Für die Kinder gibt es ein buntes Unterhaltungsprogramm. Eine Schaumkussmaschine und Kinderschminken warten auf die Kleineren. Für die Größeren wird es mit dem Spielbus der Stadtjugendpflege abwechslungsreich. Nach zehn Jahren denkt Sabine von Garßen natürlich auch mal an eine Zeit danach. Trotz des eigenen Berufs, weiterer ehrenamtlicher Tätigkeiten und der Familie kommt Aufhören jedoch für sie noch nicht infrage. „Ich hätte mir eine solche Einrichtung gewünscht, als ich eine junge Mutter war. Das ist für mich Antrieb genug, jetzt weiterzumachen.“




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