“Weihnachten fällt nicht aus!”
Weihnachten unter Corona-Bedingungen

Die einen liefern schon immer, andere tun das wegen Corona nun verstärkt und wieder andere überlegen, eine Abholstation einzurichten, um den Kunden längere Aufenthaltszeiten im Laden zu ersparen. Die Freisinger Geschäftswelt geht kreativ mit der Corona-Pandemie um. Was sie alle besonders freut: Die Freisinger zeigen sich solidarisch. Dass mehr online und weniger vor Ort eingekauft wird, diese Befürchtung ist ausgeblieben. Frei nach dem Motto: Support your local dealer. Oder, anders gesagt: Z’sammhoidn ist die Devise!

Grimm

Eine beliebte Anlaufstelle für alles Schöne und Praktische rund um Weihnachten – von der Plätzchenform über die Weihnachtsdeko bis hin zu Geschenken – gibt’s „beim Grimm“ in der Oberen Hauptstraße. Das Weihnachtsgeschäft beginnt hier „so um den ersten Advent“, wie Inhaber Richard Grimm erzählt. Freilich, die Umstände in diesem Jahr sind ganz andere. Deshalb hat der Chef auch einen Wunsch: Nämlich dass die Menschen sich heuer darauf besinnen, „nicht alles  in der letzten Weihnachtswoche zu kaufen, damit sich das ganze etwas entzerrt“. Und wer weiß, vielleicht ist es ja für seine Kunden auch für die Zukunft, für die Jahre nach Corona, eine Lehre, nicht alles „auf den letzten Drücker“ zu erledigen. Wem es aktuell nicht wohl ist dabei, seine Einkäufe persönlich vor Ort zu machen, für den- und diejenige haben Richard Grimm und sein Team sich was überlegt: „Die Ware kann telefonisch oder per Mail bestellt und dann einfach abgeholt werden. Auf Wunsch liefern wir auch.“ Diesen Service gibt es schon seit Jahren und ist nicht erst wegen Corona ins Leben gerufen worden. Vor einem finanziellen Defizit fürchtet sich der Freisinger Geschäftsinhaber nicht. Er und sein Team konnten in den vergangenen Monaten keinen Trend feststellen, dass die Kunden ausbleiben, weil sie vielleicht lieber online bestellen. „Die, die das vor Corona schon gemacht haben, werden das weiter tun. Diejenigen, die Wert darauf legen, regional einzukaufen, lassen sich auch von Corona nicht davon abhalten und finden Wege. Einen Run gebe es seit Corona auf alle Dinge rund um die Küche: Denn: Wenn die Gastronomie geschlossen hat, wird mehr zuhause gekocht. Eine Sorge treibt Richard Grimm aber dennoch um: Die Angst, dass sich ein Mitarbeiter mit Corona infiziert. Denn dann müsste unter Umständen der Geschäftsbetrieb runtergefahren werden – in der Weihnachtszeit wäre das schwer zu verkraften.


Bücher Pustet

Es gibt kaum ein persönlicheres Geschenk als ein Buch, das mit Bedacht für den Beschenkten ausgewählt wurde. Dabei lässt sich das endlose Weiterscrollen im Internet nicht mit einem Besuch im Buchladen vergleichen. Bücher Pustet in Freising hat sich dieses Jahr besonders viele Gedanken gemacht, damit in dieser Krisensituation die Menschen dennoch sicher einkaufen können. Ab dem 14. Dezember werden die Öffnungszeiten täglich auf 20 Uhr ausgedehnt. Menschen, die momentan aber lieber lange Ladenaufenthalte umgehen, können alternativ jederzeit anrufen oder eine EMail schicken – die Bestellung wird hergerichtet, kann jederzeit abgeholt werden oder Bücher Pustet liefert aus – portofrei. „Die Kunden sollen sich nicht scheuen, diesen Service zu nutzen, wir machen das alles sehr gerne und es ist überhaupt kein Problem!“, sagt Jutta Ederer. Denn für ihre treuen Kunden macht das Pustet Team alles, um ihnen ein Stück weit Normalität zu geben – und die findet sich oft im Lesen und Eintauchen in ein gutes Buch. Ederer ist sehr froh darüber, dass sie sich auf ihre Freisinger verlassen kann: Den Trend, dass jetzt vermehrt im Internet bestellt wird, Kunden ausbleiben, könne sie nicht beobachten: Im Gegenteil. „Die Menschen denken mit und wollen bewusst ihre Geschäfte vor Ort unterstützen.“ Und dafür ist sie unendlich dankbar. Einen Geheimtipp für alle, die für Weihnachten ausgiebig in den Regalen von Bücher Pustet stöbern möchten: Die sollten ihr Glück abends versuchen, „dann hat man meist seine Ruhe“.


Hölzelkramer

Das Weihnachtsgeschäft hat beim Hölzlkramer, dem Spielwarenladen in der Ziegelgasse, schon Mitte November begonnen. Der Grund liegt auf der Hand: “Die Leute haben Angst, dass die Geschäfte wieder schließen müssen”, erzählt Monika Stanglmeier. Die Krise hat eigentlich für mehr Kunden gesorgt. Dass die Leute lieber das Haus nicht verlassen und verstärkt online einkaufen, kann sie nicht bestätigen: “Die Menschen kaufen ganz bewusst regional, um die Geschäfte vor Ort zu unterstützen.” Und so ist das Gefühl, das Corona in ihr auslöst, auch nicht Angst vor Umsatzeinbußen. Aber: “Die Ungewissheit, wie es weitergeht, die ist schon belastend.” Für die besondere Zeit nun, für das Weihnachtsgeschäft während der Pandemie, muss man sich freilich was überlegen. So spielt man beim Hölzlkramer mit dem Gedanken, eine Abholstation einzurichten für Dinge, die telefonisch, per Email oder Whatsapp bestellt worden sind. Ein Problem sei aktuell, dass manche Leute sich einfach nicht an die Vorschriften halten. Der Hözlkramer darf aufgrund seiner Größe acht Kunden gleichzeitig ins Geschäft lassen. Damit der Überblick gewahrt bleiben kann, muss jeder einen Korb nehmen. Wie oft Monika Stanglmeier das den Kunden Tag für Tag erklären muss, wie wenig Geduld und Rücksicht die Leute oftmals aufbringen, sei schade. Und noch ein Problem gibt es aktuell: “Seit September wurde nichts mehr nachgeliefert, es ist wahnsinnig schwer, Ware zu bekommen.” Offenbar wird in der Krise mehr gespielt und ist die Nachfrage nach hochwertigen Spielsachen groß. Irgendwie ja auch ein tröstlicher Gedanke. Wenn das Gewünschte im Moment nicht vorrätig ist, oder für alle, die während der Corona-Krise das Haus nur ungern verlassen, dem sei die Gutschein-Alternative ans Herz gelegt. Auf Wunsch wird der auch zugeschickt – und kann dann auch gerne erst nach Corona eingelöst werden.


Fashion and more

Im Fashion & More an der Unteren Hauptstraße beginnt das jährliche Weihnachtsgeschäft bereits Ende Oktober. Günther Sesselmann, der sich für sein Geschäft das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, sieht in der Krise vielleicht die Chance, dass noch mehr Menschen umdenken: „Vielleicht haben noch mehr verstanden, wie wichtig es ist, regionaler einzukaufen. Und genau das ist das Prinzip von Günther Sesselmanns Ladenkonzept. Er will seinen Kunden näherbringen, dass der Trend, die Dinge online zu bestellen einfach schlecht für die Umwelt sei. Sein Appell an alle Freisinger: „Egal wo ihr einkauft, bitte tut es in der Region, alle Geschäfte geben sich so viel Mühe, das lohnt sich.“ Für die Leute, die es sich lieber nach Hause schicken lassen möchten, haben sich die Nachhaltigkeitsprofis von Fashion & More etwas einfallen lassen. Die Dinge, die telefonisch bestellt werden, werden mit dem E-Lastenfahrrad ausgeliefert: Die Krise macht kreativ. Und noch einen Weihnachtstipp hat Günther Sesselmann parat: Wer noch nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk sucht, kann sich den „Freisinggutschein“ von Morelocal nach Hause liefern lassen. Dieser kann inzwischen in über 50 Geschäften in Freising ganz einfach über einen QR-Code eingelöst werden.


Aus dem Hinterland

Ein paar Häuser weiter, ebenfalls in der Unteren Hauptstrasse, kann man auch gleich ausgiebig weiterstöbern, sich beraten lassen und fündig werden: im Freisinger Concept Store „hinterland“, der mit seinen ausgesuchten Manufakturprodukten Freisings Ladenkultur seit vergangenem Jahr bereichert. „Bisher traf uns die Corona-Krise nicht so hart wie zuerst befürchtet, obwohl wir nur wenige Monate davor Zeit hatten, uns zu etablieren“ sagt das Freisinger Inhaber- Paar, „was wohl an unserem mit sehr viel Bedacht und Liebe ausgesuchtem Sortiment liegt: Bei uns bieten wir nachhaltige, ehrliche Produkte von besonderen Manufakturen an, die man so nicht in anderen Läden oder mal eben im Internet findet. Das schätzen unsere Kunden, die sich hier in aller Ruhe umschauen und sehr gerne die Beratung unseres Ladenteams in Anspruch nehmen können. Viele nutzen auch die Möglichkeit, sich individuelle Geschenktüten oder Präsentkörbe zusammenstellen zu lassen, entweder für die Lieben daheim oder als Firmen- oder Mitarbeitergeschenk. Zusätzlich bieten wir seit Anfang an alles auch im Onlineshop unter www.aus-dem-hinterland.de an. Der wird sehr gut genutzt von Kunden aus ganz Deutschland. Dieses Angebot sehen wir allerdings unabhängig von unserem Freisinger Laden. Da unser Geschäft in der Unteren Hauptstraße eher klein ist, hoffen wir auf das Verständnis und die Einsicht der Freisinger, wenn man in den hektischen Tagen vor Weihnachten aufgrund der aktuellen Zugangsbeschränkungen auch mal vor der Tür etwas warten muss. Gerne kann man in der Zwischenzeit am Tisch vor dem Laden Platz nehmen. Die Wartezeit versüßen wir gerne, in dem wir unsere feinen Schnäpse, Gin, Rum etc. zum Verkosten anbieten. Was wir bemerken ist, dass dieses Jahr verstärkt bereits unter der Woche statt am Wochenende die ersten Weihnachtsgeschenke gekauft werden. Unsere langen Öffnungszeiten, 09 Uhr in der Früh bis abends 19 Uhr, nutzen viele auf dem Weg zur Arbeit oder in aller Ruhe danach oder auf dem Nachhauseweg. Das hat gleich mehrere Vorteile: Platz im Geschäft, tolle individuelle Beratung, kein Streß und vor allem gibt es jetzt auch noch alle Produkte in ausreichender Menge. Am 24. wird sicherlich das ein oder andere begehrte Produkt ausverkauft sein.” (link)

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom Dezember 2020.
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