“Wenn Gott will, werden wir uns wieder sehen“

Ich ging im Rahmen meines Praxissemesters im Studiengang Soziale Arbeit für sechs Monate ins ostafrikanische Tansania. Bereits nach kurzer Zeit lernte ich die tansanische Lebensweise schätzen und lieben: das teilweise fremde Essen (Kochbananen und Heuschrecken), andere Trinkgewohnheiten (mindestens drei Löffel Zucker in einer Tasse Tee), die schöne und rhythmische Musik und vor allem die Tansanier, die mich überall mit einem herzlichen „Karibu“ willkommen hießen. Deshalb fühlte ich mich von Anfang an in meinem vorübergehenden Zuhause sehr wohl. Auch lernte ich, dass eine der wichtigsten Eigenschaften, die man als Ausländer in Tansania haben sollte, Vertrauen ist. Vertrauen in die Taxifahrer, bei denen man sich die Rückbank mit mindestens vier anderen Mitfahrern teilt. Vertrauen in die mit Schlaglöchern übersäten Straßen. Vertrauen in die klapprigen (Klein)Busse… Ebenfalls wichtig ist Geduld: egal ob bei der Arbeit, bei öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei der langsamen Internetverbindung – man muss sich daran gewöhnen, dass in Tansania die Uhren etwas langsamer ticken als man es von Deutschland kennt und dass Ruhe und Gelassenheit Stress und Hektik vorgezogen werden.
Leider gab es auch einiges, was weniger schön war und mir sehr nahe ging. Zum Beispiel zeigt sich die Armut vieler Familien dadurch, dass ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um ihren zahlreichen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Frauen und Kinder müssen lange Strecken zu Fuß zurücklegen, um Wasser zu holen, das oft schmutzig ist. Doch trotz der vielen Probleme wirken die Menschen fröhlich und glücklich auf mich.
Den größten Teil meiner Arbeit leistete ich im Needy Children Programm, in Rahmen dessen bedürftigen Kindern durch die Unterstützung von MAVUNO ermöglicht wird, eine Schulbildung zu bekommen. Meine Aufgaben bestanden größtenteils darin, die Kinder in ihren Schulen zu besuchen, um mit ihnen und den Lehrern über ihre Situation zu sprechen und Berichte an die 111 Paten des Vereins Marafiki wa Afrika e.V. in Deutschland zu schreiben. Meine zweite Aufgabe war die Arbeit mit einer HIV- Gruppe. Ich ermutigte die Gruppenmitglieder, Erinnerungsbücher zu schreiben, die sie an ihre Kinder weiter geben können, wenn sie selbst nicht mehr leben. Mein drittes Aufgabenfeld war die Arbeit in einem Montessori-Kindergarten. Dort half ich zwei Mal die Woche den Lehrerinnen beim Unterrichten. In meiner Freizeit besuchte ich gerne meine Nachbarn. Besonders schön waren die Abende bei meinen tansanischen Freundinnen, mit denen ich sang, trommelte, tanzte und kochte.
Wenn ich jetzt zurückblicke, kommt mir meine Zeit in Tansania wie ein langer Traum vor. Und wie die Tansanier sagen: „Mungu akipenda tutaonana tena.“ (Wenn Gott will, werden wir uns wieder sehen.) Das wünsche ich mir jedenfalls für die Zukunft.




weitere Artikel zu diesem Thema:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.