Zwergenaufstand im Märchenwald
Die Hexe Lindenbart verbreitet Angst und Schrecken - sie pupst!

Nein, hier verirren sich nicht Hänsel und Gretel im Wald. In dieser pädagogisch durchaus wertvoll gemachten Neuauflage der Mutter aller Märchen heißen die lieben Kinderlein Anna und Paul. Das Schöne an diesem knapp 60 Minuten langen Hörspiel für Kinder ist, dass es mit gängigen Genres spielt, aber mit pfiffigen Neuerungen aufwartetet. An erster Stelle ist hier wohl die Hexe „Lindenbart“ zu nennen, deren Gepupse sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Ein Leiden, für das sie nichts kann, das aber verheerende Folgen hat. Vor allem ihr knorriger Rabe „Igor“ hat darunter zu leiden. „Wie das stinkt!“, schimpft der jedes Mal wie ein Rohrspatz, wenn der alten Hexe „Lindenbart“ wieder einmal einer ihrer fürchterlichen Fürze entfleucht. Aber, und das muss man Lindenbart, bei allem was recht ist, lassen, sie entschuldigt sich postwendend. Ein Zeichen für gute Kinderstube, was sie, obwohl sie natürlich auch Böses im Schilde führt, irgendwie sympathisch macht. Igor wird übrigens von Florian Sieber, Frontmann und Sänger der Freisinger Hardcore-Band „Freaking Flakes“ in Szene gesetzt. Eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint.

Siebers Tochter Annika ist es zu verdanken, dass in den heimischen Kinderzimmern bald Figuren wie „Holla die Waldfee“ oder der „Alte weise Baum“ den Ton angeben. Sie rief bei einem Spaziergang im Wald, als sie ein kleines Häuschen sah, nämlich aus: „Da wohnt die Hexe Lindenbart“. Da hatte der Papa wohl die zündende Idee ein Hörspiel daraus zu machen. Mit alten Bekannten wie den Bremer Stadtmusikanten oder einem mehr oder weniger tapferen Schneiderlein. Auch und gerade die Anlehnung an die üblichen Verdächtigen der Märchenwelt macht die Geschichte von der Hexe „Lindenbart“ so reizvoll und liebenswert. Eingespielt wurde das Hörspiel übrigens komplett in Eigenregie. Verantwortlich zeichnen zwei Freisinger Familien (Klare und Sieber). Die Texte stammen von der befreundeten Journalistin Martina Schaeffer. Alles selbst gestrickt also. Inklusive der eingängigen und lautmalerischen Musik, versteht sich. Fortsetzung folgt, wie der Titel „Die Hexe Lindenbart – Hörspiele für Kinder“ vermuten lässt. Frei nach dem Motto: „Wenn sie nicht gestorben sind, dann furzen sie noch heute“.

Dieser Artikel erschien im FINK-Magazin vom September 2014.
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